Titelfoto (c) ARD / Radio Bremen, Jörg Landsberg
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15 Jahre und kein bisschen leise.
Leise nicht und weise meist auch nicht, so kommt sie daher, die Bremer Tatortkommissarin Inga Lürsen, verkörpert von Sabine Postel. Sie hat immer noch eine Pennälerattitüde, wenn’s darum geht, die übrige Welt über die Welt zu belehren, ist emotional meist auf hoher Betriebstemperatur und – für uns leider eine der unglaubwürdigsten Polizistinnenfiguren im deutschen Fernsehen. Selbst die andere L-Kommissarin, die coole Kollegin von nebenan namens Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) hat für uns noch etwas mehr Vorstellbarkeit – oder wollen wir ehrlich sein und schreiben: Wünschbarkeit?
Vielleicht stimmt das alles aber auch gar nicht, und wir sind nur genervt davon, dass Menschen so prätentiös sein müssen. Inga Lürsen können wir uns gut auf einer Informationsveranstaltung für fair gehandelten Kaffee mit Filmvortrag vorstellen, unter den vielen dort anwesenden, aggressiven Weltverbesserern würde sie sich wohlfühlen und überdies nur wenig auffallen. Uns fröstelt bei der Vorstellung ein wenig, ihr bei einem solchen Event zu begegnen.
An den Nordkommissarinnen der Tatortserie haben wir uns bisher häufig gerieben, kamen mit Odenthal oder Blum im Süden besser klar, außerdem stößt es uns immer wieder auf, dass die Fälle, besonders aus Bremen, konstruktiv nicht zu den Highlights der Serie zählen. Wir haben einmal die “8″ gezogen (für “Schatten”), ansonsten kamen wir kaum über Durchschnittswertungen hinaus. Auch das nervt, oder ist es komplett subjektiv? Dass die Umgebungsgeräusche bei den BR-Tatorten oft so laut eingespielt werden, dass man Dialoge nur mühsam versteht. Oder sind es die inhaltlichen Nebengeräusche, die uns häufig in den Ohren klingen? “Hochzeitsnacht” wird eine Anfangssituation beinhalten, in welcher Lürsen und Stedefreund zufällig vor Ort sind, als das Verbrechen seinen Lauf nimmt. Auch das scheint im Norden in Mode zu sein. Das zufällige örtlich-zeitliche Zusammentreffen. Bei Lindholm ist es die Variante, dass sie zufällig durch eine Ortschaft fährt und dann passiert dort gerade etwas ganz Schreckliches.
15 Jahre sind eine lange Dienstzeit. Die Kölner Ballauf und Schenk zum Beispiel, die jeder kennt, die uns so vertraut sind, als gehörten sie zu unserem Freundeskreis, haben etwa dieselbe Dienstzeit auf den breiten Schultern wie Lürsen auf ihren viel schmäleren. Sie kommt zwar nur auf knapp die Hälfte an Folgen, weil der BR nun einmal nicht der WDR ist, aber da müsste eine große Präsenz sein, angesichts der Einsatzdauer. Ein Gefühl von Institution, etwas, das wir den Münchenern, den Kölnern, der Ludwigshafenerin und sogar schon bald den Münsteranern zurechnen. Aber dieses Gefühl stellt sich bei Inga Lürsen nicht ein. Ist das zu bedauern? Wir meinen, nein. Wenn uns alle Tatortermittler und -ermittlerinnen gleichermaßen ansprechen würden, dann wär’s im Grunde langweilig.
So werden wir uns vermutlich auch in der Folge 26, in der Inga Lürsen einen Fall löst, wieder mit ihr auseinandersetzen, sie nervig finden, Stedefreund, ihren treuen Adlatus, ein wenig bedauern, finden, dass ihre Tochter dermaßen verschieden von ihr aussieht und sich gibt, dass man vielleicht anstatt eines Vaterschafts- mal einen Mutterschaftstest machen sollte. Es sollen schon Babys vertauscht worden sein.
In den Previews ist von einigem Überflüssigen, aber einer konzentrierten bzw. straffen Regie von Florian Baxmeyer die Rede. Wir dachten immer, beides schließt sich einigermaßen aus, aber in Bremen werden sie wieder einen vermutlich effektvollen Kuchen backen, in dem dramatische Momente und Pädagogisches made by Inga dicht an dicht liegen. Wir werden morgen dabei sein, wenn es hochzeitsmäßig blutig zur Sache geht und für den Wahlberliner berichten.
Handlung, Besetzung, Stab
Lürsen und ihr Kollege Stedefreund sind zu Gast auf einer Hochzeitsfeier in einem Landgasthof. Die Stimmung ist prächtig, es wird gelacht und getanzt. Plötzlich stürmen zwei maskierte und bewaffnete Männer den Saal und nehmen die Gesellschaft als Geiseln. Mit der feinen Nase der erfahrenen Ermittlerin wittert Lürsen schnell, dass hier irgendwas nicht stimmt, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Raubüberfall handelt.
Das wilde Gebaren und Geschrei eines der Männer täuscht nicht darüber hinweg, dass die Geiselnehmer nicht auf Beute aus sind. Immer wieder versucht er, etwas über einen lange zurückliegenden Mord an einer jungen Frau aus dem Dorf zu erfahren. Dann wird im Tatort „Hochzeitsnacht“ einer der Gäste tot aufgefunden, der Vater des Bräutigams. Die maskierten Gangster können es nicht gewesen sein, das wird schnell klar. Also muss der Täter sich unter den Geladenen befinden.
Lürsens Kollege Stedefreund ist zu Beginn des Überfalls mit seinem Hund draußen und kann deshalb um Hilfe telefonieren. Schon bald ist der Gasthof von einem Einsatzkommando samt Scharfschützen umstellt. Drinnen versucht die Kommissarin, die Wogen zu glätten. So langsam schälen sich die wahren Gründe für die Tat heraus. Wolf Koschwitz, der Mann der Informationen über den alten Mord haben will, hat genau für dieses Verbrechen neun Jahre lang unschuldig im Knast verbracht. Er macht die Feier im Tatort „Hochzeitsnacht“ zu seiner persönlichen Gerichtsverhandlung, er will den wahren Mörder herausfinden. Und dann? Will er Gerechtigkeit oder Rache? Wenn Inga Lürsen eine Katastrophe verhindern will, muss sie ihr ganzes psychologisches und kriminalistisches Geschick aufbieten.
Die Rollen und ihre Darsteller:
Inga Lürsen, Hauptkommissarin -Sabine Postel
Stedefreund, Hauptkommissar -Oliver Mommsen
Wolf Koschwitz -Denis Moschitto
Simon Sascha -“Ferris” Reimann
Rieke -Julie Engelbrecht
Oma -Barbara Nüsse
Andreas Biebermann -Arved Birnbaum
Oswald -Michael Witte
Rainer -Timo Jacobs
Nico -Henning Nöhren
Hans Strache -Tobias Langhoff
Petra Strache -Pamela Knaack
Frau Brinkmann -Marion Breckwoldt
Herr Brinkmann -Oliver Breite
Herr Schröder -Ulrich Bähnk
Produktionsstab:
Regie -Florian Baxmeyer
Buch -Jochen Greve
Kamera -Marcus Kanter
Musik -Stefan Hansen
(Handlung, Besetzung, Stab: TATORT-FANS)
dWB/AP/12-09-15
September 16th, 2012 → 22:24
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