Alfred Golightly
Wir waren bis gestern überzeugt davon, dass wir die Hitchcock-Filme seit etwa Mitte der 30er Jahre aus dem Gedächtnis aufsagen können, ab 1945 überdies in der Reihenfolge ihrer Entstehung. Nun entstand “Mr. und Mrs. Smith” zwar 1941, aber wir hatten ihn überhaupt nicht auf dem Schirm, bis das RBB-Fernsehen ihn zu später Stunde anbot.
Nachdem wir schon mit Marnie einen zwar bekannten, aber nicht als einen der besten gewerteten Hitchcocks rezensiert haben, machen wir also weiter mit einem Werk, das nicht einmal sehr bekannt ist. Keine Angst, die Klassiker kommen noch. Sie sind aber auch so gut besprochen, dass es nicht leicht ist, etwas Eigenständiges zu schreiben. Anders bei “Mr. und Mrs. Smith”, der nicht die Vorlage für den Brangelina-Streifen von 2005 darstellt.
Was ist über einen Hitchcock zu schreiben, dem auf den ersten Blick alles fehlt, was einen Hitchock ausmacht? Mord, Gefahr, Geheimnis – und vor allem Suspense? Doch, da gibt es einiges. Zum Beispiel, dass wir eine hinreißende Carole Lombard sehen, in ihrem zweitletzten Film (ihr letzter und berühmtester ist “To Be or Not to Be”, unter der Regie von Ernst Lubitsch 1942 entstanden, bevor sie bei einem Flugzeugabsturz getötet wurde).
Ebenfalls deutlich wird, dass bei dem vergleichsweise kleinen RKO-Studio eine vergleichsweise lockere Atmosphäre geherrscht haben muss. Der Hays-Code wird stellenweise nur knapp eingehalten, vor allem dort, wo der Film seine frivolen Stellen hat. Auch die Freundschaft zwischen Hitchcock und seinem Star Carole Lombard wird zur flaumigen Atmosphäre des Films beigetragen haben und die Tatsache, dass Hitchcock nach dem sensationellen Oscar-Gewinner “Rebecca” (1940), der seinen Einstieg in Hollywood markierte, künstlerische Freiheiten besaß wie wenige andere Regisseure im Studio-System und für ein Studio produzierte, das auch Orson Welles die Möglichkeit gab, “Citizen Kane” (1941) zu dem einmaligen Werk zu machen, das heute jeder Filmfan kennt und das bei Louis B. Mayer als Chef so nie entstanden wäre. Dies alles führt zu gewissen Eigenheiten in “Mr. and Mrs. Smith“, die einer Betrachtung wert sind.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, den Film nicht mit den Suspense-Hitchcocks zu vergleichen, sondern mit anderen Komödien, vor allem aus der Entstehungszeit. So betrachtet, steht “Mr. and Mrs. Smith” recht gut da, weil er viele originelle Momente und Einfälle hat und nicht wie von der Stange wirkt. Das Ensemble, inklusive Regisseur, wirkt inspiriert und der Humor ist stellenweise richtig frech, für damalige Verhältnisse. Der Film besitzt eine formidable Leichtigkeit, ohne deswegen platter zu wirken als andere Screwball-Komödien, wie sie seit den 30er Jahren in Mode waren und von denen es einige Exemplare wie “It Happened One Night” (1934), “Bringing Up Baby” (1938) oder “Philadelphia Story” (1940) gibt, die noch heute zu den besten oder zumindest wortwitzigsten Stücken aus mehr als 80 Jahren Tonfilm zählen.
Handlung, Stab, Besetzung
Die Ehe des wohlhabenden New Yorker Rechtsanwalts David Smith mit seiner Frau Anne basiert auf einem komplexen und bisweilen bizarren Geflecht von Regeln und Bestimmungen. So darf im Fall eines Ehestreits keiner der beiden den Raum verlassen, bis der Streit beigelegt ist, was unter Umständen bedeutet, dass Mr. Smith tagelang sein Büro nicht aufsuchen kann – sehr zum Ärger seiner Kanzlei.
Eine andere Regel erlaubt beiden, jeden Monat eine Frage stellen zu können, die vom anderen ehrlich beantwortet werden muss. Als Anne eines Tages die Frage stellt, ob er sie wieder heiraten würde, wenn er sich noch einmal entscheiden müsste, antwortet David, dass er dies wahrscheinlich nicht tun würde, da er seine Freiheit zu sehr vermisse. Anne nimmt dies zunächst brüskiert auf, verzeiht ihm dann aber scheinbar.
Als David nach dem Ehestreit in sein Büro zurückkehrt, taucht ein Beamter der Stadt auf, in der sie geheiratet haben, und erklärt David, dass seine Hochzeit aufgrund einer Eingemeindung rechtlich ungültig sei. David erzählt Anne zunächst nichts davon, aber Anne erfährt durch Zufall von der Ungültigkeit ihrer Ehe. Während sie erwartet, dass David ihr einen erneuten Heiratsantrag macht, zögert David diesen Moment immer weiter hinaus, um sie auf die Folter zu spannen. Als Anne denkt, er wolle sie tatsächlich kein zweites Mal heiraten, verlässt sie ihn wutentbrannt und bandelt mit Davids bestem Freund Jeff an, mit dem sie sogar Heiratspläne schmiedet. David müht sich zunächst erfolglos, Anne zurückzuerobern, versucht, ihre geplante Ehe mit Jeff vor dessen Eltern zu sabotieren, reist den beiden schließlich in ihren Urlaub in einer Skihütte nach, spielt effektvoll einen verzweifelten, betrunkenen Ehemann im Delirium und lässt sich von Anne und Jeff gesund pflegen. Doch Anne bleibt störrisch – fast bis zum Ende des Films.
| Regie | Alfred Hitchcock |
| Drehbuch | Norman Krasna |
| Produktion | David O. Selznick, Harry E. Edington für RKO Radio Pictures |
| Musik | Edward Ward, Roy Webb |
| Kamera | Harry Stradling |
| Schnitt | William Hamilton |
| Besetzung | |
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(Handlung, Stab und Besetzung aus WIKIPEDIA - Der Wahlberliner unterstützt die Wikipedia)
Rezension
Hypothetisch
Alfred Hitchcock hatte es beinahe während seiner ganzen Karriere mit zwei Frauen zu tun. Mit Alma Reville, seiner Ehefrau und kongenialen Partnerin bei der Erarbeitung neuer Stoffe – und mit der jeweiligen Hauptdarstellerin seiner Filme. Ob Hitchcock für Carole Lombard eine Obsession empfand wie später für Grace Kelly, darf bezweifelt werden, aber dass er sie so sehr mochte, dass er mit “Mr. and Mrs. Smith” ein Vehikel für sie erschuf, das zu beinahe allen übrigen seiner Werke einige Unterschiede aufweist, ist wohl belegt.
Carole Lombard kann man sich auch sehr gut als Hauptdarstellerin in Filmen wie “Suspicion” (1941) vorstellen, in dem die wundervolle “Rebecca”-Darstellerin Joan Fontaine die Hauptrolle spielte. Man kann Lombard eigentlich in allen eher leichten Filmen von ihm sehen, die in den kommenden Jahren entstanden – und in einigen, die nicht gedreht wurden, mit ihr aber denkbar gewesen wären. Mancher Stoff wurde von Hitchcock ja verworfen, weil er nicht die passenden Darsteller dazu im Kopf hatte.
Eher spekulativ ist auch, ob Hitchcock in “Mr. and Mrs. Smith” seine Ehe mit Alma Reville porträtiert hat. Denkbar ist es aber, dass zwischen diesen ausgeprägten Charakteren ein Geflecht von Regeln den Alltag dominiert hat.
Die Regeln des Zusammenlebens und das Hintergründige in Hitchs Ideen dazu
Dieses Geflecht scheint manchen Schreiber von Ratgeberbüchern fürs tägliche Zusammenleben langfristig gebundener Paare inspiriert zu haben. Herrlich im Grunde, dass man erst auseinandergeht, wenn ein Streit beigelegt ist. Was die Handlungsbeschreibung nach Wiki verschweigt: Der Streit hat im Bett zu enden. Das ist eine der für 1941 ziemlich frivolen Ideen, die Hitchock in diesem Film verarbeitet und die das Paar Anne Smith (Carole Lombard) und David Smith (Robert Montgomery) kongenial auf der Leinwand zelebriert. Man sieht in der Eingangszene auch, wie Lombard – erschöpft? – im Bett liegt, auch ihr Mann wirkt unrasiert und etwas derangiert.
Wieviel Zeit für die Beilegung des Streits draufgegangen ist und wieviel für die waagerechte Form der Versöhnung – das erfahren wir nicht, und das ist dann doch wieder beinahe so schräg wie die Schlussszene aus “North by Northwest” aus 1959, in welcher der Zug, in welchem sich Cary Grant und Eva Marie Saint befinden, in den Tunnel schießt. Diese Art von doppel- bis dreibödigem Humor ist auch in einem so untypischen Film wie “Mr. and Mrs. Smith” noch typisch genug, um Hitch zu identifizieren. Allenfalls Ernst Lubitsch wäre unter den damaligen Hollywood-Regisseuren Ähnliches zuzutrauen gewesen und auch die Chuzpe, es auf die Leinwand zu bringen.
Verbindlichkeit im Unverbindlichen – die deutsche Spur
Auch in anderen Punkten beweist Hitchcock Drive und wird verbindlicher, als das in üblichen Hollywood-Komödien üblich ist und wir spüren dem gerne nach, weil wir die Spuren unserer Nation gerne verfolgen, besonders in Hollywood, wo es eine beachtliche Zahl ganz verscheidener Fährten dieser Art gibt.
So heißt Anne Smith von Geburt Krausheimer, was wir erfahren, als die Ehe mit David sich als nichtig herausstellt. Ihr kräftiger, von Mutterwitz ebenso wie von dialektischen Fähigkeiten bestimmter Humor ist also, wenn man so will, auch ihren Wurzeln zu verdanken. Sie wird eindeutig als deutschstämmig definiert – aber nicht einfach so. Für das, was sich in den USA 1941 schon vor Pearl Habor abzeichnete, nämlich die negative Haltung der USA zu Nazi-Deutschland, war die Randfigur der stämmigen Gertie Schulz zuständig, die David in einem Club kennen lernt. Schulz ist der in den USA universell verwendete Nachname für die tumbe Variante des Deutschen – wie man spätestens seit der Serie “MASH” weiß. Anne Krausheimer aber ist jüdischer Herkunft, das drückt der Nachname so deutlich aus, wie er ihre geografische Herkunft erklärt – ebenso, wie man die religiöse Zuordnung für David annehmen darf, der Vorname war damals, zumal im Film, in den USA noch eher selten. Eindeutig christliche Namen wie John oder Tom oder aus dem Englischen eingewanderte wie Robert, George und James dominierten.
Trotzdem hat Hitchcock nie vergessen, dass er eine Zeit seiner jungen Jahre in Berlin zugebracht hat und dort von Spitzenkräften des damaligen Weltkinos viel gelernt hat, dass sein Karrierestart eine deutsch/britische Coproduktion von 1925 war (“Irrgarten der Leidenschaft”), bei welcher er Regie führen durfte.
Die Figur Anne Krausheimer Smith ist aber überwiegend eine Hommage an jenen Typ Frau heißkalter Frau, den er gerne auch in (Nord-) Deutschland verortete, ebenso wie in England; an seine Zeit in Deutschland, aber auch Ausdruck der Differenzierung durch Abgenzung zu den Schulzes dieser Welt. Mehr Deutlichkeit wäre einer Komödie nicht zuträglich gewesen und war 1941, vor Pearl Harbour und damit dem Kriegseintritt der USA, der Reste von Neutralität unnötig machte, noch nicht denkbar.
Interessant finden wir Hitchcocks für damalige Hollywoodverhältnisse sehr ausgeprägte Verbindlichkeit trotzdem, denn die USA waren bis zum zweiten Weltkrieg ein Land, in dem Antisemitismus durchaus salonfähig war und in dem ironischerweise die Filmindustrie, die Amerikas Träume verbildlichte, beinahe komplett in jüdischer Hand war (bis heute ist sie es zumindest produktionsseitig). 1944 gab es Kritik an Hitchcocks bekannterem Film “Lifeboat”, weil der im Rettungsboot anwesende Nazi-Offizier einigen als die stärkste Figur erschien. Hitchcock war aber selbstverständlich kein Nazi-Freund oder Hitler-Bewunderer sondern schätzte lediglich das Land, das er vor 1933 kennen gelernt hatte.
Witzig und banal
Die Handlung des Films ist sicher eine der einfachsten und banalsten, die Hitchcock je auf die Leinwand brachte, demgemäß streiten sich Filmfans auch darüber, ob dies nun der schlechteste Hitchcock aller Zeiten ist. Wir meinen, es gibt keine schlechten Hitchcocks, sondern nur einige, die etwas verunglückt sind, darunter ein Teil des Spätwerks und einige, die nicht mit den Meisterwerken mithalten können, die noch heute zu den 50 besten Filmen aller Zeiten gezählt werden (in der gegenwärigen Reihenfolge, gemäß IMDb (1): “Fenster zum Hof”, “Psycho”, “North by Northwest” und “Vertigo”, alle im kurzen Zeitraum von 1954 bis 1960 entstanden.
Diese Filme weisen hochausgefeilte Plots aus, sind humorvoll und / oder für damalige Verhältnisse besonders schräg oder grauenvoll und sie haben ein Übermaß von dem “Suspense”, der bei “Mr. and Mrs. Smith” vollkommen abwesend ist. Spannend ist der Film nicht, sondern einfach nur stellenweise sehr von Hitchcocks Humor geprägt. Der kommt aber eine Spur derber und weniger verdeckt auf die Leinwand als in den bekannteren Produktionen, schon deswegen ist “Mr. und Mrs. Smith” ein Muss für Hitchcock-Fans. Da hat ein begnadetes Team einfach mit Spaß an der Provokation gegenüber Konventionen gearbeitet – und kaum jemand scheint es bemerkt zu haben.
So wirkt die Figur der Anne Smith sehr modern und zwischenheitlich unabhängig und über ein reguliertes Eheleben wird schon in einer Zeit gelästert, in der es die ganzen Ratgeber für Beziehungsgeschädigte wohl noch nicht gab. Zudem gibt es mehrere Szenen mit sexuellen Anspielungen und Carole Lombard lotet in ihrem Auftritt das aus, was der Hays Code wohl gerade noch zuließ. Wenn man etwas genauer hinschaut, ist die Botschaft aber doch konservativ. Am Ende wird die zwischenzeitliche Ms. Krausheimer wieder Mrs. Smith und der Mann sorgt wieder für die Brötchen, von denen das luxuriöse Appartement bezahlt wird, in dem die beiden Eheleute leben und, so darf angenommen werden, in dem sie noch viele Jahre weiter lieben und fetzen dürfen. Immerhin Anne zwischenzeitlich deutlich, dass sie sich sehr wohl selbst durchbringen kann und dass Männer nicht so rüpelhaft sein müssen wie der ihre; es kommen auch Typen vor, die sowohl altmodische Gentleman sind wie auch Züge des “Neuen Mannes” tragen, der heute so gerne propagiert wird, der die Frauen aber als generelles Weichei auch nicht unbedingt glücklich macht – hier beides in der Person des Geschäftspartners von David, des Südstaatler Jeff Custer (Gene Raymond) zusammengelegt.
Auch in dieser Person liegt ein Statement von Hitchcock: nämlich eines gegen die Südstaaten-Romantisierung, die damals voll im Gange war und zu der Filme wie der unsterbliche und unsterblich kitschige “GWTW” (1939) beitrugen. Der Gentleman mit der leicht hinterlistigen Attitüde gegenüber seinem Kanzleipartner Smith und dem devoten Charme gegenüber dem weiblichen Geschlecht kann bei einer starken Frau wie Anne am Schluss nur verlieren. Die mag’s eben herzhaft, so, wie sie selbst gestrickt ist, und in dieser Konstellation, wie Hitchcock sie zeigt, und ihrer Wirkung steckt viel Wahrheit. In manchen Eheszenen, aber auch z. B. in der Diner-Sequenz, die ein wenig ekelig ist (mit dem fleckigen Tischtuch und der Katze, die fett auf dem Tisch liegt und nicht einmal die Suppe probieren will, so mies muss dieses Gericht sein) kommt Hitchcocks Cockney-Seite des Humors auf eine so unverblümte Weise heraus, wie man es in seinen Filmen selten sieht.
Da werden die Eheleute aus der damals sehr dünnen oberen Mittelschicht zu Schauobjekten, starren Straßenkinder und diese Leute, die sich einen Restauranttisch auf die Straße stellen lassen, einander direkt in die Augen und die Kuriosität des Augenblicks wird auch noch verbalisiert. So etwas gibt es in klassischen Hollywood-Komödien sonst nicht zu sehen, und zeigt, dass Hitchcock auch in einem weniger hoch angesiedelten seiner Werke Dinge zeigen konnte, die andere nicht einmal zu denken wagten. Man soll darin allerdings keinen zu stark sozialkritischen Subtext sehen wollen, gesellschaftliche Spannungen waren in den amerikanischen Hitchock-Filmen, im Gegensatz zu einigen Frühwerken, kein Thema mehr.
Es gibt weitere bemerkenswerte Szenen, etwas diejenige im Club, in dem David mit einer schönen Unbekannten scheinbar flirtet, um die in einiger Entfernung mit Jeff sitzende ehemalige Ehefrau eifersüchtig zu machen, diese erinnert stark an die typischen Hitchcock-Szenen, mit denen der Meister aber nicht Humor, sondern Spannung erzeugt: Menschen werden aus der Distanz gezeigt, wie sie sprechen, man weiß aber nicht, um was es geht. Die witzige Verdrehung ist hier, dass die benachbarte Frau nicht einmal mitbekommt, wie David angeblich mit ihr flirtet und die eigene Frau, die ihn gut kennt, das für ernst nimmt.
Ganz anderer Art ist die Szene auf dem interessanten, hochmodern wirkenden Karussell mit Jeff und Anne darin. Der Zoom aus der Höhe vermittelt echt dreidimensionales Angstfeeling und erinnert sofort an “Vertigo” – das ist, gar keine Frage, Hitchcock pur. Das Chaos durch Stromausfall, der einsetzende Regen – auch, wenn es dort keinen Regen gibt, es lässt bereits erahnen, dass in “Stranger on a Train” ein Kirmesplatz und ein außer Kontrolle geratenes Karussell nicht zufällig den Verlust der Kontrolle über das eigene Leben symbolisieren. So ist es, auf die leichte Art, auch hier. Es ist falsch, das Ding mit Anne und Jeff, deswegen muss dieses Nicht-Paar stundenlang dort oben ausharren und sitzen wie wahrhaft begossene Pudel da und starren aneinander vorbei nach vorne oder in die Tiefe.
Fazit
“Mr. und Mrs. Smith” ist auf jeden Fall das Anschauen wert. Wer die komödiantische Begabung von Carole Lombard schätzt und einen sicher inszenierten Film sehen will, kommt auf seine Kosten. Wer Hitchcock nachspüren will, kann ebenfalls einiges entdecken. Hätten wir’s nicht gewusst, hätten wir auf jeden Fall nachgeschaut, wer der Regisseur ist, weil uns einige Momente in diesem Film ungewöhnlich erschienen sind und eine Handschrift erkennbar ist.
Man darf auch nicht mit überzogenen Erwartungen an Hitchock selbst herangehen, was leider bei vielen seiner Filme getan wird. Selbst die hoch geschätzten Meisterwerke müssen offenbar noch einmal durch die kritische Sonderbetrachtung, weil sie eben von Hitchcock sind. Anders ist es nicht zu erklären, dass zum Beispiel derzeit in der Rangliste der besten Filme aller Zeiten, wie sie auf der IMDb (Internet Movie Database) geführt wird, auch die besten Hitchcocks schlechter bewertet sind als alle drei Herr-der-Ringe-Filme. Das macht solche Listen zwar nicht komplett obskur und die vielen Informationen, welche auch die kostenfreie Variante der IMDb bereithält, sind beinahe unersetzlich geworden, aber man muss doch festhalten, dass gerade jüngere Filmnutzer die Filmhistorie nicht als Ganzes und im technisch-inhaltlichen Kontext betrachten und dass nach unserer Ansicht neuere Filme, teilweise bei weitem zu hoch eingeschätzt werden. Das führt uns zu einer wichtigen Erkenntnis: Über Bewertungen muss immer ein Filter gelegt werden. Wer und vor welchem Hintergrund? Mit welchem Ansatz? Alles ist subjektiv. So auch unser Votum: 7,7/10 für “Mr. and Mrs. Smith” als flirrende, launig und hervorragend gespielte Komödie – und als Hitchcock, der von vielen gar nicht als “echter” Hitchcock akzeptiert wird, aber tatsächlich einer ist, wie viele Details belegen.
dWB/AP/12-02-26
November 25th, 2012 → 07:53
[...] dem Alfred Hitchcock Regie führte und zeitlich direkter Vorgänger von “Torn Curtain”) Mr. und Mrs. Smith – FilmAnthologie 55 (eine vergleichsweise wenig bekannte Komödie von Hitchcock aus 1941, die [...]