Das Dorf – Tatort 819 / Vorschau ARD 04.12.2011, 20:15 Uhr

Geschrieben am 21. November 2011

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11-11-21 Tatort 819 Das Dorf

Titelfoto (c) Hessischer Rundfunk, Carl-Friedrich Koschnick

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Zweiter Einsatz für Ulrich Tukur

Der HR gibt sich nach dem Tatort 817 (“Der Tote im Nachtzug”) bereits mit der Nummer 819 wieder die Ehre – und zeigt die zweite Folge mit Ulrich Tukur als Felix Murot. Offenbar hat der HR eine besondere Schwäche für in irgendeiner Form beschädigte Hauptfiguren. Bei Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) war es rein psychisch, ein Trauma, ausgelöst durch die Ermordung ihrer Eltern.

Die neuen männlichen Ermittler Frank Steier (Joachim Król) und Felix Murot (Ulrich Tukur) haben sich aber entweder zusätzlich oder alternativ mit physischen Problemen herumzuschlagen. Rekonvaleszenz nach einer schweren Verletzung, latente Alkoholsucht, Angstzustände bei dem einen, gar ein Gehirntumor beim anderen. Soll damit der Niedergang des männlichen Geschlechts im Allgemeinen symbolisiert werden? Die HR-Tatorte gehören zweifelsohne zu denen, die am meisten mit Symbolik aufgeladen sind, da liegt der Verdacht nah.

Die Handlung:

Der Anruf eines alten Freundes und ehemaligen Kollegen ruft LKA-Kommissar Felix Murot zu einer Mordermittlung in ein kleines Dorf im Taunus. Dort angekommen wird aber gleich Entwarnung gegeben: Der Mörder hat sich selbst gerichtet, der Fall scheint geklärt. Noch am Abend macht sich Murot wieder auf den Weg nach Wiesbaden. Doch sein Gehirntumor peinigt ihn so sehr, dass er beschließt, die Nacht im Auto zu verbringen.

Im Morgengrauen läuft der vermeintliche Selbstmörder quicklebendig an seinem Auto vorbei. Ist das ein weiterer Streich seines Tumors? Oder ist da etwas faul im Dorf? Murot kehrt um und fängt an, inkognito im Dorf zu ermitteln. Schnell bekommt er heraus, dass der charismatische Herr Bemering im Ort das Sagen hat. Der lädt Murot in sein luxuriöses Anwesen ein, wo er auf die geheimnisvolle Frau Dr. Herkenrath stößt.

Die führt eine – etwas zu gut ausgestattete – Arztpraxis im Dorf und nimmt sich sofort Murots Tumor an. Bemering und Herkenrath versuchen herauszufinden, wer dieser Murot ist und was er vorhat. Der stellt derweil weiterhin unangenehme Fragen über den Verbleib des vermeintlichen Selbstmörders und stößt dabei auf ein Geheimnis, dass Bemering zwingt zu handeln. Murot wird in der Klinik von Frau Dr. Herkenrath festgehalten. Die Lage scheint hoffnungslos – doch Murot hat einen Plan.

Zweiter Einsatz für Ulrich Tukur: Unter dem Titel “Das Dorf” zeigt der Hessische Rundfunk (hr) den neusten Tatort-Fall des LKA-Manns Felix Murot, den es diesmal bei seinen Ermittlungen in den Hintertaunus verschlägt.

(Handlungszusammenfassung und Anmerkung dazu: DAS ERSTE)

Der Tod ist nicht nur am Tatort, er reist mit

Nach dem reflexiven und intensiven Erstling mit Murot, der den – sic! – beziehungsreichen Namen “Wie einst Lili” trug nun also ein Kampf auf Leben und Tod in einem sicher atmosphärisch hervorragend in Szene gesetzten Dorf außerhalb der Stadt. Das Land, die Krankheit, der Tod. Manche Tatortkommissare haben etwas Existenzialistisches, die Anlage der Figur Felix Murot könnte dazu führen, dass sich der LKA-Sonderermittler an die Spitze dieser Gruppe innerhalb der mittlerweile stattlichen Zahl von Tatort-Ermittlern stellt. Ein Mann mit hintersinnigem, wissendem Blick, mit leiser, ironischer Art, ein Hauch von Grandseigneur. Aber auch: mit dem eigenen Tod im Gepäck reisend, intensiv leidend – großartige Voraussetzungen für eine wirklich interessante und vielschichtige Ermittlerfigur. Damit kann man Konventionen aufbrechen.

Wenn die Drehbücher stimmen. Davon hängt eben doch sehr Vieles ab. Die Regie ist heute meist erstklassig, die Bücher sind es nicht immer. Sehr beliebte Ermittler haben schon erfahren müssen, dass ihre Anwesenheit allein nicht immer dafür ausreicht, dass die Gemeinde einem Tatort huldigt. Manche haben allerdings einen Bonus – am deutlichsten wird das bei Thiel / Boerne, deren Beliebtheit unter einigen schwächeren Fällen kaum gelitten hat. Andere allerdings tragen ein Stigma mit sich herum, das auch durch gute Plots nicht von ihnen genommen wird – man sieht sie als schauspielerische Leichtgewichte an. Letzteres kann man von Ulrich Tukur gewiss nicht sagen und dass er seine Rolle als Felix Murot auch beim zweiten Mal wieder ausfüllen wird, steht außer Frage.

Wir sind gespannt auf den 4. Dezember, zumal wir den Erstling “Wie einst Lili” zwar gesehen haben, aber nicht rezensiert, weil es zum Zeitpunkt seiner Erstausstrahlung den Wahlberliner noch nicht gab. Dorfkrimis sind wie geschaffen für mit ruhiger Hand gefilmte, intensive Dramen und können dabei sehr spannend sein.

dWB/AP/11-11-21

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