Die Rezension gibt es jetzt hier!
Titelfoto (c) HR
Das neue Ermittlerteam aus Frankfurt,
Conny Mey und Frank Steier, löst seinen zweiten Fall. Die beiden sind das erste deutsche Tatort-Duo, das wir von seinem ersten Einsatz an begleiten durften. Hier gibt es keine älteren Folgen nachzurezensieren, keine Lücken und keine Chronologie, die erst einmal erarbeitet werden muss.
Für den ersten Tatort der beiden (“Eine bessere Welt”) haben wir den 16. Beitrag zur TatortAnthologie geschrieben, heute sind wir 90 Artikel, am Tag der Erstausstrahlung, dem 20. November, mehr als ein halbes Jahr weiter.
Für uns war es von Beginn an keine Frage, dass Joachim Król einen tragfähigen Ermittler abgeben würde, überrascht hat uns dennoch die Art, wie er seine Rolle in der ersten Folge interpretiert hat. Ein Beweis mehr, wie vielseitig dieser Schauspieler ist. Mit Nina Kunzendorf hat man ihm in der immer häufiger bevorzugten Variante eine asymmetrische Partnerin beigestellt, die in “Eine bessere Welt” starke Präsenz gezeigt hat. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung des Teams.
Wird man beim HR wieder den Mut haben, einen ungewöhnlichen Weg zu gehen, wie mit Sänger / Dellwo? Sicher ist Conny Mey mehr down to earth als Charlotte Sänger, aber deswegen muss das Schema nicht konventioneller werden. Was sich uns noch nicht erschließen konnte, als wir den Tatort “800″ rezensiert haben, war, dass der HR mehr als jeder andere Sender mit Sänger / Dellwo eine Geschichte erzählt hat, die über alle Folgen hinweg durchgezogen wurde – die des Verhältnisses der beiden Ermittler zueinander. Eine Geschichte von Anziehung und Abstoßung und des Niemals-Einander-Findens. Man hat dieses Team entwickelt und trotz mancher Unstimmigkeit von Folge zu Folge vor allem viel Mühe darauf verwendet, Charlotte Sängers Verhalten biografisch herzuleiten – von Beginn an.
Da sieht man beim neuen Team schon eine andere Anlage. Conny Mey offenbarte in “Eine bessere Welt” noch nicht ihre Hintergründe, bei Frank Steier werden sie eher angedeutet. Vielleicht hat man vor, die Biografie der beiden zu schälen, wie man es bei einer Zwiebel tun würde – wäre es nicht so, dass man Zwiebeln in der Regel kleinschneidet, wobei es zu Tränen kommen kann.
Die formale und inhaltliche Extravaganz mancher HR-Tatorte mit Sänger und Dellwo würden wir gerne erhalten sehen, der erste Steier / Mey war diesbezüglich noch eher zurückgenommen. Die Frankfurter können das aber, unsere Welt durch gekonnt in einem Zerrspiegel zeigen und doch so, dass sie immer kenntlich bleibt. Im Vergleich zu unseren Berlinern machen sie nach unserer Ansicht gegenwärtig die besseren Großstadtkrimis: dramatischer, aussagekräftiger, formal geschlossener. Das, was mit Sänger und Dellwo an moderner Tatortgestaltung erarbeitet wurde, sollte den neuen Ermittlern erhalten bleiben.
Worum geht es?
Conny Mey wird früh morgens – noch in Joggingkleidung – zum Bahnhof beordert. Im Nachtzug aus Warschau wurde eine blutüberströmte Leiche mit Schusswunde gefunden, ein Verdächtiger ist beim Eintreffen der Polizei geflohen. Frank Steier, nach einer Stichverletzung eben erst aus der Reha entlassen, ist ebenfalls bereits vor Ort. Alles sieht nach einem Raubmord aus. Das Ermittler-Duo Frank Steier und Conny Mey sucht Elsa Lange auf, die Frau des Ermordeten, um ihr die traurige Nachricht zu überbringen. Von ihr erfahren sie, dass ihr Ehemann Sanitäter bei der Bundeswehr in Afghanistan war, doch vor drei Jahren wegen Medikamentenmissbrauchs entlassen wurde. Schließlich finden Mey und Steier heraus, dass sich der flüchtige Hauptverdächtige, Stanislav Kilic, und Elsas Mann Rüdiger aus Afghanistan kannten. Beide waren an krummen Geschäften beteiligt. Wollte sich Kilic rächen? Der Fall bekommt eine neue Wendung, als plötzlich auch Feldjäger großes Interesse an Kilic zeigen …
Außerdem dabei
Neben Nina Kunzendorf und Joachim Król wirken in weiteren Rollen Benno Fürmann, Inka Friedrich, Jevgenij Sitochin, Gerd Wameling, Arnd Klawitter und andere mit. Ausgestrahlt wird der “Tatort” voraussichtlich Anfang 2012.
Hinter der Kamera steht Armin Alker. Für die Ausstattung zeichnet Olaf Schiefner verantwortlich. Die Produktionsleitung hat Gabriele Leiner. Verantwortliche Redakteurinnen sind Liane Jessen und Lili Kobbe.
(Abschnitte 2 und 3 aus “DAS ERSTE”)
dWB/AP/11-11-06
Timm
9. November 2011
Bin gerade eben durch Zufall auf den Blog gekommen. Gefaellt mir bis jetzt sehr.