Tod einer Lehrerin – Tatort 809 / Vorschau ARD 11.09.2011, 20:15 Uhr

Geschrieben am 3. September 2011

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Tatort

Titelfoto (c) SWR, Stephanie  Schweigert

Die Rezension jetzt hinter diesem Link!

Lena Odenthal ist eine Tatort-Ermittlerin der Superlative.

Kein Kommissar, keine Kollegin hat eine so lange Dienstzeit hinter sich wie die Ludwigshafener Dienststellenleiterin, gespielt von Ulrike Folkerts. Als sie 1989 begann, hieß der produzierende Sender noch SWF, stand die Berliner Mauer noch, war Ulrike Folkerts eine junge Frau, die sich mit kantiger Verletzlichkeit im Männermilieu Polizei durchsetzen musste.

Es gab Tatortkommissarinnen vor ihr, aber sie hat die Frauen nach vorne gebracht, so dass heute kein Verdächtiger mehr die Augenbraue hochzieht und fragt: “Eine Frau?”. Dieses Erstaunen ist genauso Fernsehgeschichte wie die Figur Lena Odenthal selbst, die sich dezent gewandelt hat, ohne alt oder nicht mehr zeitgemäß zu wirken.

In einem erlauchten Kreis

“Tod einer Lehrerin” ist der 54. Tatort für Ulrike Folkerts. Nur die Münchener Ivo Batic und Franz Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) haben mehr Fälle gelöst, weil der BR in München etwas häufiger senden – sie sind zwei Jahre nach Lena Odenthal gestartet. Auf mehr Folgen kommt auch Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) – allerdings nur, wenn man seine Düsseldorfer Zeit unter Bernd Flemming (Martin Lüttge) einbezieht. Seit 1996 arbeitet Lena Odenthal mit dem Halbitaliener Mario Kopper (Andreas Hoppe) zusammen, auch dieses Dienstverhältnis nebst privater WG hat also schon eine Generation von Tatort-Zuschauern mitgeprägt.

War der letzte ihrer Fälle, der im Sommer 2011 passend zum Start der Frauen-Fußballweltmeisterschaft in Deutschland gestartete “Im Abseits” einerseits besonders, weil in ihm Realpersönlichkeiten des deutschen Fußballs auftraten, andererseits nach unserer Ansicht kein großer Tatort (Rezension hier), wird das Milieu der Folge 809 geradezu klassisch sein.

In einem klassischen Milieu: Schule

Der Tatort dreht sich um den Tod der Lehrerin Heike Fuchs, die einerseits beliebt war – andererseits starb unter ihrer Aufsicht während einer Klassenfahrt ein Schüler. Dessen Eltern halten die Lehrerin für schuldig und haben den Tod des Jungen nie verwunden. Auch ein nicht versetzter Schüler spielt in dem Fall eine Rolle, ebenso wie die 16jährige Schülerin Eshe, die aus Somalia stammt. Auch ihr Milieu wird im Fall beleuchtet. Nach dem Tatort 801 “Der illegale Tod” spielt auch hier wieder Florence Kasumba eine Migrantin aus dem nördlichen Schwarzafrika – die Mutter der Schülerin Eshe.

Man wird also in diesem Film wieder ein soziales Thema, die Situation der Somalia-Flüchtlinge, sehen. Wie üblich bei den so akzentuierten Filmen wird die Qualität zum einen davon abhängen, wie das Milieu gezeigt wird und ob auch jemand, der nicht selbst darin verortet ist, die  Darstellung als glaubhaft, informativ und differenziert empfindet. Zum anderen wird man sehen, ob “Tod einer Lehrerin” auch ein guter Krimi ist.

Das werden wir uns am 11. September anschauen, diesem sehr besonderen Datum zehn Jahre danach.

dWB/AP/11-09-03

Veröffentlicht unter: 03. Filmwelt, 2. Kultur