Wir führen unsere Berichterstattung zur Schuldenkrise in Europa fort – mit Fakten zu den Schuldenständen in allen europäischen Ländern.
Die Länder sind gelistet nach den durchschnittlichen Haushaltsdefiziten der letzten zehn Jahre, die Bösen zuerst, die Guten stehen unten. Von den wirklich guten sind viele bezeichnenderweise keine Euroländer.
Wir weisen darauf hin, dass es sich hier z. B. in Deutschland nur um Schulden auf der “oberen Ebene”, also des Bundes, handelt. Was die übrigen Gliederungen, die Länder und Kommunen, noch zusätzlich angehäuft haben, ist nicht einmal Gegenstand dieser Betrachtungen .
Gerade der deutsche Staatsschuldenstand, der die Maastricht-Vorgabe von 60 % des jährlichen BIP (Bruttoinlandsprodukts) in 2010 bereits um mehr als 20 % überschritt, wäre unter Einbeziehung der schuldenbelasteten deutschen Länder und Kommunen noch einmal dramatisch höher, vermutlich um ca. 40 %.
Das heißt, zu den gegenwärtig ca. 2.05 Billionen Euro Bundesschulden kämen noch einmal mehr als 800 Milliarden Euro Schulden der Länder und Kommunen hinzu, insgesamt nähert sich Deutschland damit einer Staatsverschuldung von 3 Billionen Euro – das sind mehr als 100 % des BIP, das 2011 vermutlich erreicht werden wird.
Man darf davon ausgehen, dass auch in anderen Ländern die nachgeordneten Verwaltungsgliederungen eigene Schuldenberge angehäuft haben, die nicht als “Staatsschulden” in diese Tabelle einfließen und somit die wirklichen Schulden Europas noch einmal wesentlich höher liegen, als hier dargestellt. Zudem sind bekanntermaßen einige Freunde in Europa Meister darin, ihre Schuldenberge zu kaschieren. Die Deutschen müssen sich diesbezüglich allerdings nicht für besser halten.
Ungeheure Summen aus Bankenschulden und andere Subventionslasten werden grundsätzlich nicht in die offzielle Schuldenstatistik aufgenommen, sondern in groteskerweise “Sondervermögen” genannte Schattenhaushalte überführt, zu denen auch die Bad Banks gehören, welche durch die Bankenkrise erzeugt wurden. Die Gesamthöhe dieser tickenden Zeitbomben ist kaum zu recherchieren, und das ist gewollt. Würde man auch sie richtigerweise den Staatsschulden zuordnen, weil der Steuerzahler für sie aufkommen muss, wäre Deutschland nach allen vernünftigen Kriterien kein “AAA”-Land mehr, weil dieser Schuldenberg vermutlich niemals ohne einen Währungsschnitt, heißt, mit erheblichen Verlusten für die Gläubiger Deutschlands wird abgetragen werden können.
Zudem würde eine solche Maßnahme den überwiegenden Teil des deutschen Vermögens in privater, institutioneller und unternehmerischer Hand vernichten, mindestens seinen Anteil in eigener Währung. Das gab es im 20. Jahrhundert schon zweimal. Das letzte Mal ist über 60 Jahre her und mündete immerhin in eine außergewöhnlich stabile Währung. Diese Währung hat man ohne Not preisgegeben. Die gerechte Strafe dafür, auch für die Bürger, die das alles klaglos hingenommen haben, wäre der dritte Vermögensschnitt innerhalb von 90 Jahren. Am besten werden auch diesen Schnitt, wie jeden zuvor, die sehr Reichen überstehen, die weltweit in allen möglichen, auch sicheren Anlageformen investiert sind.
Hier nun die Tabelle der “offiziellen Staatsschulden auf oberster Ebene” aller europäischen Länder:
dWB/AP/11-08-08

gast
8. August 2011
diese Graphiken in % des BIP sagen ÜBERHAUPT nichts aus über den absoluten Schuldenstand.
schließlich wäre es auch wichtig, die Gläubiger zu kennen.
im Fall Japans zu 93 % die eigene Bevölkerung.
im Fall Europas und der USA vor allem China usw.
Der Wahlberliner
8. August 2011
Herzlichen Dank für den Kommentar!
Die Grafiken lassen sich auf absolute Schuldenstände umrechnen, wenn man sie in Relation zum BIP der entsprechenden Länder setzt – wir geben nur die europäischen Zahlen wieder.
Viele Grüße
dWB/AP/11-08-08
Stefan Wehmeier
8. August 2011
Dumme Fragen
“Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten”, glaubt das Volk, und fragt immer wieder die hohe Politik, mit welcher Finanz- oder Wirtschaftspolitik die “Finanzkrise” zu beenden sei. Die dummen Antworten der Politiker werden immer erst im Nachhinein als solche erkannt, was das Volk nicht davon abhält, weiterhin dumme Fragen zu stellen. So fragen jene, die sich haben einreden lassen, die “Finanzkrise” sei schon beendet, mit welcher Finanz- oder Wirtschaftspolitik die “Schuldenkrise” zu beenden sei.
Das erkenntnistheoretische Problem besteht darin, dass eine intelligente Frage nur stellen kann, wer den Großteil der Antwort schon kennt. Die erste intelligente Frage lautet: Warum glauben Politiker, es könnte überhaupt eine wie auch immer geartete Finanz- oder Wirtschaftspolitik geben, um die “Finanzkrise” (korrekt: beginnende globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes) zu beenden? Die Antwort formulierte der Freiwirtschaftler Otto Valentin in einem Satz:
“Im Grunde ist Politik nichts anderes als der Kampf zwischen den Zinsbeziehern, den Nutznießern des Geld- und Bodenmonopols, einerseits und den Werktätigen, die den Zins bezahlen müssen, andererseits.”
(aus “Warum alle bisherige Politik versagen musste”, 1949)
Daran hat sich bis heute nichts geändert, bis auf die Tatsache, dass der Krieg – zwecks umfassender Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten – nur solange der Vater aller Dinge sein konnte, wie es noch keine Nuklearwaffen gab! Es bleibt also nichts anderes übrig, als die “Mutter aller Zivilisationsprobleme”, die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, endlich durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform abzustellen. Weil aber “Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld” (Silvio Gesell, 1916) wiederum das, was wir heute – am Ende des zivilisatorischen Mittelalters – als “hohe Politik” bezeichnen, überflüssig macht, kann ein Politiker die freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus (echte Soziale Marktwirtschaft) gar nicht erst andenken.
Die zweite intelligente Frage lautet: Welcher kollektive Wahnsinn ließ die halbwegs zivilisierte Menschheit Massenarmut, Umweltzerstörung und Krieg in Kauf nehmen und heute vor der größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte stehen, statt in allgemeinem Wohlstand auf kaum noch vorstellbarem technologischem Niveau in einer sauberen Umwelt und selbstverständlichem Weltfrieden zu leben? Die Antwort auf diese Frage führt über das größte Mysterium der modernen Kunst zum größten Geheimnis der Menschheit:
“Man bedenke, es handelt sich nur um einen Roman. Die Wahrheit wird – wie stets – weit erstaunlicher sein.”
Arthur C. Clarke, Vorwort zu “2001″
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