Wir hoffen, dass wir die begonnene Artikelserie über die Ratings verschiedener Länder und über die gegenwärtige Schuldenkrise in Europa und den USA, dass wir weitere Beiträge in diesem Zusammenhang nicht bald als “Chronologie des Niedergangs” zusammenfassen müssen.
Heute, nachdem die Weltbörsen wieder mehr oder weniger hohe Kursverluste hinnehmen mussten, ergänzen wir unsere Informationen um die Bonität der Euroländer. Von AAA bis CCC ist alles dabei, und schon dies weist darauf hin, dass der Euro Konstruktionsschwächen haben muss. Länder mit solchermaßen unterschiedlicher Bonität in eine Währung zu zwängen, kann nicht gutgehen. Fairerweise muss man sagen, als der Euro beschlossen wurde, waren die Unterschiede in den Bonitätsratings der späteren Euroländer noch nicht so groß wie derzeit und das eine oder andere Land hatte sich die Mitgliedschaft im Club auf sehr trickreiche Weise erschlichen.
Wir verweisen auf den Stand vom 29.07.2011, wie ihn die Tabelle der ARD wiedergibt.
Aus urheberrechtlichen Gründen verweisen wir in diesem Fall nur und bilden die Tabelle nicht ab, welche die ARD aus Informationen von Reuters und den Ratingagenturen zusammengestellt hat – anders als die der AAA-Länder, die wir in einer Wochenendsitzung eigenständig erarbeitet und kommentiert hatten. Die oben verlinkte Tabelle finden wir deshalb hervorragend, weil sie die Ratings aller Euroländer in neutraler, weil alphabetischer Form listet und die Meinungen der drei wesentlichen Agenturen (Standard & Poor’s, Moody’s, Fitch) berücksichtigt.
Wir kommentieren hingegen die Euroländer-Tabelle nicht ausführlich. Jedermann, der kaufmännisch zu denken in der Lage ist, soll sich selbst ein Bild davon machen, ob man AAA- und CCC-Länder weiterhin in einer Währung belassen kann, ohne dass der Preis für die Parole “Augen zu und durch” ins Unendliche schießt. Außerdem geben die Börsen und geben viele fähige Ökonomen, die sich unbequeme Ansichten zutrauen, längst ihre eigenen, unmissverständlichen Kommentare dazu ab, was von der Schuldenpolitik in den USA und in Europa zu halten ist und wie sie allen Wohlstand gefährden kann, der in vielen Jahrzehnten aufgebaut wurde.
dWB/AP/11-08-08
Stefan Wehmeier
8. August 2011
Beschäftigungstherapie
Die größte anzunehmende Katastrophe der Weltkulturgeschichte, die globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, konnte im Herbst 2008 noch dadurch abgewendet werden, dass die führenden Industrienationen den Zinsgeld-Kreislauf mit staatlichen Bürgschaften absicherten und “Konjunkturpakete” ins Rennen schickten, die die Staatsverschuldungen in aller Welt in die Höhe schnellen ließen. Danach machte die hohe Politik eine Kehrtwende und versucht jetzt – “auf Teufel komm raus” – zu sparen, um den Schuldenberg mit dem zuvor initiierten “Aufschwung” wieder abzutragen. Diese Vorgehensweise ist genau das, was der “Jahrhundertökonom” Sir John Maynard Keynes in den 1930er Jahren der hohen Politik vorgeschlagen hatte, um den in einer kapitalistischen Marktwirtschaft (Zinsgeld-Ökonomie) üblichen Konjunkturschwankungen durch eine “antizyklische staatliche Investitionspolitik” entgegenzuwirken. Das so etwas selbst dann nicht gelingen kann, wenn die “Mutter aller Zivilisationsprobleme”, die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, noch nicht allzu weit fortgeschritten ist und die Volkswirtschaft noch einigermaßen funktioniert, wie etwa in der Bundesrepublik Deutschland nach 1970, sondern nur die Staatsverschuldung immer weiter ausufern lässt, hatte Prof. Dr. J. M. Keynes von der ehrwürdigen University of Cambridge der hohen Politik verschwiegen, denn dann hätte er seine “Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes” nicht mehr verkaufen können. Keinem anderen Wirtschaftsexperten ist es je gelungen, die hohe Politik so gut zu beschäftigen.
Dass generell alles, was gemeinhin als “Politik” bezeichnet wird, nur Beschäftigungstherapie für berufsmäßige Wichtigtuer ist, die von Makroökonomie gar nichts verstehen und auch nichts verstehen dürfen, wird den Allermeisten erst dann bewusst werden, wenn die globale Liquiditätsfalle (klassisch: Armageddon) durch keine wie auch immer geartete Finanz- oder Wirtschaftspolitik mehr verzögert oder gar aufgehalten werden kann:
http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/der-bevorstehende-crash.html
Dass eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt (und in “God´s own country” schon wieder einstellen musste), etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht versteht, wobei “Spitzenpolitiker” und “Wirtschaftsexperten” es am allerwenigsten verstehen, beruht auf einer künstlichen Programmierung des kollektiv Unbewussten, die vor Urzeiten erforderlich war, um den Kulturmenschen durch selektive geistige Blindheit an ein a priori fehlerhaftes Zwischentauschmittel mit Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) anzupassen, damit unsere “moderne Zivilisation” überhaupt entstehen konnte:
http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html