Focus on Film! Archiv und Rezension / In eigener Sache

Geschrieben am 24. Juli 2011

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07-10-12 Brandenburger Tor bea1 sw

Filme rezensieren wird in Zeiten eines geringeren Zeitbudgets eines der Hauptthemen des Wahlberliners bleiben.

In diesen Tagen gibt es kein Großereignis gibt wie die FIFA-Frauen-Fußballweltmeisterschaft, über das wir mit Freude und Engagment in 23 Beiträgen berichtet haben – und die unsere Leserzahlen in Regionen katapultiert hatten, die wir zu so einem frühen Zeitpunkt nicht geplant hatten.

Jetzt ist das Sommerloch deutlich spürbar, aber es sind die Film- und Fernsehrezensionen, die dafür sorgen, dass wir nicht in dieses Loch hineinfallen, sondern eine Art Grundpegel an Leserschaft behalten.

Es kommt uns jetzt zugute, dass Filmrezensionen Depotartikel sind, die immer wieder abgefragt werden, besonders dann, wenn bereits rezensierte Filme wiederholt werden. Gerade dieser Tage gab es mehrere solcher Fälle.

Weniger Zeitbudget, gleichbleibender Qualitätsanspruch

Das wird die Maxime der nächsten Monate sein. Sie bedingt ein Zurückfahren der Artikelzahl und eine noch stärkere Konzentration auf Themen, in denen wir besonders sicher fühlen und über die wir meinen, kompetent schreiben zu können, ohne zu hohen Aufwand für die Recherche betreiben zu müssen.

Wir werden die meisten Filme, die wir besprechen möchten, künftig zunächst aufzeichnen, mit Ausnahme solcher, die schnell veröffentlicht werden sollen – diesen Aktualitätswert haben z. B. die Erstausstrahlungen von Tatort-Folgen.

Viele besonders interessante Filme werden leider sehr spät, oft mitten in der Nacht gesendet. Natürlich nicht, damit möglichst wenige Menschen zusehen, sondern, weil man heutzutage davon ausgeht, dass Cineasten, die sich für solche Werke interessieren, auch die Möglichkeit zur Aufzeichnung haben und sich die Filme zu christlicheren Zeitpunkten ansehen können. Auf diese Variante freuen wir uns, auch wenn sie an den Wochenenden einige Zeit für andere schöne Dinge wegnehmen wird.

Ein Cineasten-Luxus

Aber wir werden uns auch einen Luxus leisten. Wir werten unser vorhandenes Videoarchiv aus, das vorwiegend in den Jahren 2000 bis 2002 erstellt wurde und in dem viele besondere Werke enthalten sind, die man heute kaum noch auf dem Bildschirm zu sehen bekommt. Nicht einmal die Kutlurprogramme wie 3Sat und ARTE oder die dritten Programme der ARD widmen sich in gleicher Verdichtung wie in früherer Zeit noch diesen alten Filmen, die so wichtig fürs Verständnis des Mediums und seiner Entwicklung sind.

Der Luxus liegt vor allem darin, dass die kommenden Beiträge über solche Filme ganz sicher keine Renner werden, die es innerhalb weniger Tage ganz nach vorne in der Rangliste der beliebtesten Beiträge schaffen. Sie sind fürs Depot und für Menschen mit Sinn für Film und mit einem Fokus ihrer Interessen auf dem Film, und wir hoffen, dass wir diesem Publikum mit unseren Kritiken zu besonderen Perlen der Filmhistorie ein wenig Freude bereiten können.

Damit sich dieses Publikum schnell zurechtfindet, gibt es immer wieder eine aktualisierte Version der Wahlberliner-Beiträge. Sinnigerweise sind es die Tatort- und Filmrezensionen, die bereits komplett in diese Liste eingearbeitet sind und immer auf aktuellem Stand gehalten werden.

Die aktuelle Liste der Film- und Fernsehrezensionen deswegen auch gleich hier: Der Wahlberliner – Verzeichnis der Beiträge.

Es ist der richtige Zeitpunkt

Wir meinen, dass Filmrezensionen eine gewisse Reife erfordern, auch wenn das altmodisch klingen mag. Je länger man dabei ist, desto mehr Subtext erkennt man und desto besser kann man Inhalte, Botschaften, Strömungen in Filmen verstehen und vor allem – hinter die technische und formale Fassade blicken. Manchmal ist man dadurch auch genervt und versteht gar nicht mehr, was man an bestimmten Filmen einmal so faszinierend fand. Dafür gibt es andere, die mit jedem Sehen mehr beeindrucken.

Deswegen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mit der Auswertung des Videoarchivs zu beginnen. Vor zehn Jahren, das spüren wir heute deutlich, wäre es wohl zu früh gewesen. Aber wer weiß, wie wir in 2021 darüber denken werden? Deswegen wird es, besonders bei wichtigen Filmen, von Zeit zu Zeit Überprüfungen und Neubewertungen geben. Die Welt bleibt nicht stehen und so ist es auch mit den Erkenntnissen über Kunstformen. Natürlich hat der Zeitpunkt des Auswertungsbeginns auch mit dem Start des Wahlberliners im März 2011 zu tun – eine so simple und freie Möglichkeit, unsere Meinungen über das wunderbare Medium Film einem Publikum nahezubringen, gab es zuvor nicht.

Wir finden das Eintauchen in frühere Filmepochen ungeheuer spannend, vielleicht auch, weil wir stets an Geschichte interessiert waren. Und Filmgeschichte ist nicht nur ein Teil der Kulturgeschichte seit dem 20. Jahrhundert, sie ist auch ein Teil der Geschichte der Menschheit geworden. In Filmen wurde auf unterschiedlichste Art und immer zeitgebunden die Geschichte reflektiert und manchmal, in den Sternstunden des Kinos, hat Film auch Geschichte gemacht oder die Geschichte wenigstens beeinflusst.

Ein wenig von diesen Zusammenhängen versuchen wir in unseren Rezensionen zu vermitteln und werden uns künftig noch mehr auf diesen Aspekt konzentrieren. Aber wir werden auch die mediale Aufbereitung weiter ausbauen, denn auch wenn wir uns mit Filmen beschäftigen, die vor dem multimedialen Zeitalter entstanden sind, gibt es keinen Grund,  die heutigen Möglichkeiten nicht zu nutzen, um Filme mit Bildern und Videosequenzen so interessant wie möglich für unsere Leser aufzubereiten.

Die moderne Darbietung soll dazu beitragen, unseren Lesern diese Zeiten ein wenig nahe zu bringen, in denen die meisten von ihnen, wir eingeschlossen, noch nicht im Kino sitzen und sich von den bewegten Bildern verzaubern lassen konnten.

dWB/AP/11-07-24

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Veröffentlicht unter: 03. Filmwelt, 2. Kultur