Seit März 2011 berichtet Der Wahlberliner regelmäßig über die Arbeitslosenzahlen in Deutschland – aktuell: Die Zahlen vom Mai 2011.
I. Bisherige Berichte
Bericht April 2011.
Bericht März 2011.
II. Verfahren
Wir nehmen dabei das so genannte Jobwunder unter die Lupe. Selbstverständlich stützen wir uns dabei nur auf die offiziellen Zahlen der Arbeitsagentur.
Wir gehen davon aus, dass die Statistik der Arbeitsagentur die richtigen Zahlen an die Öffentlichkeit weitergibt. Die Artikel sind immer gleich aufgebaut und werden nur aus servicetechnischen Gründen verändert und erwietert. Grundsätzliche Darstellungen bleiben erhalten, damit neue Leser kein Problem haben, sich in die Berichte einzufinden. Aktuelle Einschätzungen werden angepasst, Zahlen ergänzt.
Erstmalig gibt es im Juni 2011 auch eine Grafik, einen “Hotspot” zu einer wichtigen Zahl. Die Einbindung von Grafiken soll künftig weiter verstärkt werden.
Zudem werden die Tabellen jetzt im Gegensatz zum April-Bericht so gezeigt, dass die neuesten Zahlen immer oben stehen (in Grafiken: links).
Zum Verfahren müssen wir nach drei Monaten eine weitere Anmerkung machen: Abweichungen zwischen unserer Wiedergabe und den Angaben der Arbeitsagentur resultieren mitterweile daraus, dass die Agentur ihre Zahlen rückwirkend anpasst. Diesen Schritt vollziehen wir bewusst nicht nach, weil wir finden, dass die ständigen Nachkorrekturen keine vernünftige Arbeitsbasis darstellen. Die Abweichungen liegen meist auch nicht in Größenordnungen, die zum Beispiel die von uns genannten Zahlen wesentlich verändern würden, da wir z. B. bei den Arbeitslosenquoten nur mit einer Stelle hinter dem Komma arbeiten – entsprechend der Darstellung der Arbeitsagentur.
III. Die Arbeitslosenquote nach § 16 III SGB III (Kernarbeitslosigkeit)
1. April 2011 und März 2011 (Monatsvergleich)
| Monat | Arbeitslose | Veränderung | Arbeitslosenquote % | Veränderung |
| Mai 2011 | 2.960.112 | -117.946 | 7,0 | -0,3 |
| April 2011 | 3.078.058 | -132.283 | 7,3 | -0,3 |
| März 2011 | 3.210.341 | 7,6 |
2. April 2011 / April 2010 und März 2011 / März 2010 (Jahresvergleich)
| Mai 2011 | 275.581 | -45.670 | 8,5 | |
| April 2011 | 321.251 | -28.407 | 9,5 | |
| März 2011 | 349.658 | 9,8 |
Die obigen Kernarbeitslosenzahlen sind diejenigen, die in den Nachrichten genannt werden, inklusive des Vergleichs mit dem Vorjahr und dem Vormonat. Wegen der deutlichen saisonalen Abweichungen ist es richtig, in erster Linie mit der Vorjahresquote zu vergleichen, nicht mit der des Vormonats. Die Tendenz ist demnach positiv, sie ist es ebenfalls, wenn man 2010 mit dem Krisenjahr 2009 vergleicht.
Im Mai 2011 liegt die Kernarbeitslosigkeit erstmals seit langer Zeit wieder unter 3.000.000 Personen.
3. Vorjahresvergleich: Rückgang des Rückganges? (Grafik und Kommentar)
“Vergleicht man den Rückgang von April 2011 zu April 2010 gegenüber März 2011 zu März 2010, bemerkt man eine geringere Zahl. Das könnte darauf hindeuten, dass die Dynamik beim Rückgang der Kernarbeitslosenquote abflacht, aber es wäre unredlich, dies aufgrund eines einzelnen Monatsvergleiches bereits als Tatsache zu werten. Hierzu wird man mindestens noch die Zahlen vom Mai und vom Juni 2011 abwarten müssen, um sie mit den Vorjahreszahlen vergleichen zu können.”
So unser Text vom Mai, bezogen auf die Aprilzahlen 2011. Im Mai setzt sich die Abflachung der positiven Entwicklung der Kernarbeitslosenzahlen allerdings beschleunigt fort, wie die nebenstehende Grafik ebenso belegt wie die obigen Tabellenzahlen. Lag im März der Rückgang der Arbeitslosenquote gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat noch bei ca. 350.000 Personen, waren es im Mai nur noch etwa 275.000.
4. Wie umfassend sind die Quoten der Kernarbeitslosigkeit nach § 16 III SGB III?
Danach fließen in die unter 2. und 3. genannten Statistiken diejenigen Personen ein, die
1. vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen,
2. eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen und
3. sich bei einer Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.
Wer nur das SGB III liest, wird eine verengte Sichtweise behalten, denn dieses Gesetz ist eng mit dem SGB II verzahnt, das die Welt der ALG II-Empfänger und überhaupt der Hartz-IV-Empfänger regelt.
IV. Die erweiterte Arbeitslosigkeit
1. April 2011 und März 2011 (Monatsvergleich)
| Monat | Arbeitslose | Veränderung | Arbeitslosenquote % | Veränderung |
| Mai 2011 | 3.223.922 | -127.204 | 7,6 | -0,3 |
| April 2011 | 3.351.126 | -132.392 | 7,9 | -0,3 |
| März 2011 | 3.483.518 | 8,2 |
1. Erwerbsfähige ohne Arbeit ab einem Lebensalter von 59 Jahren
(Nicht als arbeitslos im Sinn von § 116 SGB III [Kernarbeitslosigkeit] gelten)
c. Erwerbsfähige Hilfebedürftige, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, gelten nach § 53a Abs. 2 SGB II dann nicht als arbeitslos, wenn ihnen in diesem Zeitraum keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten werden konnte.
2. Weitere Personengruppen im Bereich der erweiterten Arbeitslosigkeit
Dieser Gesetzestext zeigt bereits ein anderes Bild. Hier wird u. a. die nicht geringe Dauerarbeitslosigkeit im Alter aus der Statistik der Kernarbeitslosenquote, die uns immer wieder im Fernsehen präsentiert wird, herausgerechnet. Rente ab 67 – aber wer bereits mit 58 keinen Job mehr findet, gilt nicht als arbeitslos im Sinn der unter I. aufgeführten Kernarbeitslosigkeit. Gleiches gilt u. a. für Menschen, die nur Minijobs bis 15 Stunden pro Woche finden.
Weiterhin ist davon auszugehen, dass Menschen dieses Alters, die dauerhaft keine Chancen mehr am Arbeitsmarkt sehen, freiwillig oder z. B. durch Sozialpläne in den Rentnerstatus wechseln und somit nicht nur aus dem Kreis der arbeitswilligen Erwerbspersonen ausscheiden, sondern auch aus der Arbeitsmarktstatistik.
Es gibt weitere Gruppen, die nur in den Bereich der erweiterten Arbeitslosigkeit fallen, die obige haben wir nur deshalb exemplarisch erwähnt, weil angeblich durch die demografische Entwicklung ältere Arbeitnehmer wieder so richtig gut gefragt sind. Dass dies bislang eine Chimäre ist, zeigt sich auch beim Blick auf die unter 1. genannte „Kernarbeitslosenquote“. Ausgerechnet in der Altersgruppe ab 55 Jahre hat die Arbeitslosigkeit sogar zugenommen. Dies gilt sowohl im Jahresvergleich April 2011 / April 2010 als auch für die Jahresvergleiche März, Februar und Januar – mit leichter Tendenz zur Verbesserung innerhalb der Zunahme (Abnahme der Zunahme).
4. Kommentar zur Gesetzeslage der „erweiterten Arbeitslosigkeit“
Dieser Gesetzestext zeigt bereits ein anderes Bild. Hier wird u. a. die nicht geringe Dauerarbeitslosigkeit im Alter aus der Statistik der Kernarbeitslosenquote, die uns immer wieder im Fernsehen präsentiert wird, herausgerechnet. Rente ab 67 – aber wer bereits mit 58 keinen Job mehr findet, gilt nicht als arbeitslos im Sinn der unter I. aufgeführten Kernarbeitslosigkeit. Gleiches gilt u. a. für Menschen, die nur Minijobs bis 15 Stunden pro Woche finden. Die Gesetzeslage wurde hier, vorsichtig ausgedrückt, dem politischen Wunschdenken angepasst und die Gesamtarbeitslosigkeit auf einen Schlag um 0,6 Prozentpunkte oder ca. 300.000 Menschen gesenkt.
5. Kommentar zur Veränderung Mai 2011 / April 2011 / März 2011
Dass die erweiterte Arbeitslosigkeit in beinahe genau dem Maß zurückgegangen ist wie die Kernarbeitslosigkeit, lässt zumindest darauf schließen, dass aus den unter 1. genannten Gruppen kaum jemand wieder den Weg zurück in die (volle) Erwerbstätigkeit gefunden hat. Zwar ist auch ein Austausch zwischen Personengruppen denkbar (in Wirklichkeit etwas geringerer Abbau der Arbeitslosigkeit nach § 16 III SGB III, dafür zusätzliche Eintritte ins Erwerbsleben nach SGB II), aber nicht sehr wahrscheinlich.
Im Mai 2011 gab es eine leicht positive Entwicklung, der Rückgang der erweiterten Arbeitslosigkeit fiel um etwa 10.000 Personen stärker aus als bei der Kernarbeitslosenquote unter III. In der Gesamtbetrachtung ist dies jedoch ein geringer Wert, wir erwarten in den nächsten Monaten keine wesentliche Angleichung der Kernarbeitslosenquote und derjenigen der erweiterten Arbeitslosigkeit.
V. Die Unterbeschäftigung, verschiedene Sichtweisen
Berichtet man über Arbeitslosigkeit, kann man es aber nicht bei der Kernquote (I.) und auch nicht mit der erweiterten Arbeitslosigkeit (II.) bewenden lassen.
1. Die Unterbeschäftigung nach Interpretation der Arbeitsagentur
So, wie es eine Arbeitslosigkeit im engeren Sinn gibt, aus der ältere Arbeitslose und Minijobber ausgebucht sind, gibt es auch eine Unterbeschäftigung im engeren und eine im weiteren Sinn. Wir lassen die statistischen Interpretationshilfen der Bundesagentur für Arbeit sprechen:
Unterbeschäftigung im engeren Sinne (i.e.S.) = Zahl der Arbeitslosen i.w.S. plus Zahl der Personen, die an bestimmten entlastend wirkenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder zeitweise arbeitsunfähig sind und deshalb die Kriterien des § 16 Abs. 1 SGB III (Beschäftigungslosigkeit, Verfügbarkeit und Arbeitssuche) nicht erfüllen. Personen in der Unterbeschäftigung im engeren Sinne haben ihr Beschäftigungsproblem (noch) nicht gelöst; ohne diese Maßnahmen wären sie arbeitslos.
Unterbeschäftigung (im weiteren Sinn, Anm. d. Verf.) = Unterbeschäftigung i.e.S. plus Zahl der Personen in weiteren entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die fern vom Arbeitslosenstatus sind und ihr Beschäftigungsproblem individuell schon weitgehend gelöst haben (z.B. Personen in geförderter Selbständigkeit und Altersteilzeit); sie stehen für Personen, die ohne diese arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen arbeitslos wären.
2. Die Zahlen zur Unterbeschäftigung im weiteren Sinn
Monat Arbeitslose Veränderung UB-Quote % Veränderung
| Monat | Arbeitslose | Veränderung | UB-Quote % | Veränderung |
| Mai 2011 | 4.178.614 | -130.127 | 9,9 | -0,3 |
| April 2011 | 4.308.741 | -143.672 | 10,2 | -0,3 |
| März 2011 | 4.452.413 | 10,5 |
Die gesamte Zahl der Erwerbspersonen, die arbeitsfähig, aber keine auskömmliche Arbeit haben, inklusive derer, die in verschiedene Fördermaßnahmen eingegliedert sind oder deren Selbstständigkeit von den Arbeitsagenturen oder Jobcentern unterstützt wird, liegt damit, wie schon in den Vormonaten, um mehr als eine Million Menschen höher als die unter III. ausgewiesene Kernarbeitslosigkeit (ca. 1.218.000 Personen), entsprechend liegt die Quote der Unterbeschäftigung in Deutschland, wie die Arbeitsagentur sie darstellt, immer noch bei ca. 10 %.
Kurzarbeiter, die faktisch ebenfalls unterbeschäftigt sind, werden von der Arbeitsagentur hier nicht berücksichtigt. Sie sind zwar noch in Arbeitsverhältnissen, der Staat unterstützt aber auch diesen Personenkreis in der Form, dass er Kurzarbeitergeld zahlt, um Lohnverluste auszugleichen und die Unternehmen die erwünschten Einspareffekte bei den Personalkosten erzielen können. Damit bewahrt er viele Arbeitnehmer vor allem aus dem verarbeitenden Gewerbe vor offizieller Arbeitslosigkeit. Bei einer Regelung, wie sie in anderen Ländern üblich ist, würden die Firmen sie vermutlich in Krisenzeiten entlassen und später wieder einstellen. Sie würden dann selbstverständlich auch in die Arbeitslosenstatistik eingehen.
Die Zahl der Kurzarbeiter ist seit der Krise Ende 2008 bis Ende 2009, die sich vor allem auf die Beschäftigung in der Konsumgüterindustrie stark ausgewirkt hat, rückläufig.
3. Kommentar zur Unterbeschäftigung und deren Veränderung Mai 2011 / April 2011 / März 2011
Zwar ist der Rückgang der Unterbeschäftigung bisher nominal etwas höher als derjenige der Kernarbeitslosigkeit (ca. 10.000 bis 15.000 Personen im Monat), doch von der Datenbasis aus betrachtet, müsste er um ca. 25.000 bis 30.000 Personen höher sein, um auch nur einen gleichen Quotenrückgang zu erbringen. Berechnet man den Rückgang jedoch auf Basis der höheren Zahlen für die Unterbeschäftigung, ist der Rückgang prozentual sogar geringer als bei den unter III. und IV. genannten Zahlen für die Kernarbeitslosigkeit bzw. die erweiterte Arbeitslosigkeit.
Nach diesen Zahlen ist davon auszugehen, dass die wirkliche Arbeitslosenquote also nicht bei 7,3 % liegt (Kernarbeitslosigkeit), sondern mindestens bei 9,9 %. Eine Fördermaßnahme ist keine reguläre Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt. Wir wollen hier keine Aussage darüber treffen, ob solche Maßnahmen sinnvoll sind oder nicht. Gleiches muss man generell für eine Selbstständigkeit sagen, die sich (noch) nicht trägt. Die statistische Erfassung beider Gruppen außerhalb der Kernarbeitslosigkeit bedeutet aber nichts anderes als eine erhebliche Verkürzung der Betrachtung von Arbeitslosigkeit und nicht auskömmlicher Beschäftigung als einem fortdauernden Massenphänomen im zweiten Jahr des Aufschwunges.
4. Maßnahmen und die gesamte Unterbeschäftigung (Kommentar)
Eine große Zahl von erwerbsfähigen Personen sind in sogenannte Maßnahmen eingebettet. Sie werden ebenfalls nicht zur Statistik unter 1. gezählt, aber auch nicht vollständig in die Zahl der Unterbeschäftigten eingerechnet.
| Monat | Erweiterte Arbeitslosigkeit | Teilnehmer | Gesamt | Veränderung | UB-Quote nach eigener Definition % |
| Mai 2011 | 3.223.922 | 1.272.059 | 4.495.981,0 | -191.210 | 10,6 |
| April 2011 | 3.351.126 | 1.336.065 | 4.687.191,0 | -149.975 | 11,1 |
| März 2011 | 3.483.518 | 1.353.648 | 4.837.166,0 | 11,5 |
Die Arbeitsagentur unterscheidet hier nach Qualifizierung, Berufsausbildungförderung, beschäftigungsbegleitenden Leistungen und Beschäftigung schaffenden Maßnahmen.
Wir erfassen sie unter III. aber bei der Unterbeschäftigung, denn keine dieser Maßnahmen kann einer Arbeit am ersten Arbeitsmarkt gleichgesetzt werden, die sich selbst trägt und dem Staat Einnahmen durch Steuern und Abgaben einbringt. Auch hier wollen wir betonen, dass diese Feststellung keine Wertung über den Sinn oder die Qualität dieser Maßnahmen beinhaltet. Es geht uns nur um statistische Ehrlichkeit.
Die Unterbeschäftigung betrifft nach unserer Ansicht im April 2011 damit knapp 4,7 Millionen Menschen, im Mai immer noch 4,5 Millionen Menschen, un damit nicht weniger als 11,1 % bzw. 10,6 % der Erwerbsbevölkerung, nach 11,5 % im März. Das ist eine sichtbare Verbesserung, aber die Realität der Unterbeschäftigung zeigt sich als ein gutes Stück entfernt von den 7,3 % der Kernarbeitslosigkeit.
Der Rückgang in diesem Bereich beträgt nach unserer Darstellung beinahe 200.000 Person von April 2011 auf Mai 2011. Allerdings wirkt sich hier die eingangs beschriebene Vorgehensweise aus, dass wir Statistiken nicht nachträglich korrigieren. Die Agentur hat das aber für die April- und Märzzahlen getan, so dass der Rückgang nach deren neuen Zahlen geringer wäre. Ein weiterer Effekt dieses unterschiedlichen Verfahrens ist aber, dass die Unterbeschäftigungsquote, wie wir sie messen, nur noch 0,7 % über derjenigen liegt, welche die Arbeitsagentur als gegeben ansieht (10,6 % gegenüber 9,9 %). Man kann also von einer Anpassung durch statistische Korrektur seitens der Arbeitsagentur sprechen.
Wir halten fest, dass die Unterbeschäftigung nach unserer Einschätzung mehr als 1,5 Millionen Menschen höher liegt als die hauptsächlich medial aufbereitete und diskutierte Kernarbeitslosigkeit.
VI. ALG I und ALG II
1. April 2011 und März 2011 (Monatsvergleich)
| Monat | ALG I | ALG II | ALG I + II | Veränderung | ALG I + ALG II-Quote |
| Mai 2011 | 775.320 | 4.725.140 | 5.500.460,0 | -82.202 | 13,0 |
| April 2011 | 831.356 | 4.751.306 | 5.582.662,0 | -107.990 | 13,2 |
| März 2011 | 944.408 | 4.746.244 | 5.690.652,0 | 13,5 |
2. Kommentar zum ALG I- und ALG II-Bezug
Zunächst muss man positiv erwähnen, dass die Zahl der Bezieher von ALG I deutlich gesunken ist, von März auf April 2011. Aber genauso muss man erwähnen, dass die Zahl der gesamten Bezieher von ALG und ALG II nur um 108.000 Personen gesunken ist. Die absolute Zahl von arbeitsfähigen ALG II-Beziehern ist sogar leicht gestiegen, von 4,74 auf 4,75 Millionen.
Jetzt ein Quervergleich: Die Zahl der Arbeitslosen gemäß Kernquote hat sich um 132.000 verringert, vergleicht man den April 2011 mit dem März 2011. Die Zahl der ALG-Bezieher jedoch nur um 108.000, bei einem sehr viel höheren Sockelbetrag. Dies setzt sich in Mai fort: Einem Rückgang der Kernarbeitslosigkeit um 117.000 steht ein Rückgang der Personen, die ALG I oder ALG II beziehen, um nur noch 82.000 Personen gegenüber.
Das ist für einen Frühjahrsaufschwung in einem so genannten Wirtschaftsboom eindeutig zu wenig an Rükgang.
V. Gesamtbewertung
Wenn man die wirklichen Zustände am deutschen Arbeitsmarkt umfassend bewerten will, dann gehört dazu, dass die Unterbeschäftigung in Wirklichkeit nicht bei 7,0 % Kernarbeitslosenquote liegt, sondern bei 10,6 %.
Dann gehört dazu auch, dass man sich anschaut, wie viele erwerbsfähige Menschen sich nicht komplett selbst finanzieren können – auch nicht durch Erwerbsarbeit. Das sind 5,5 Millionen Menschen im Mai 2011, nach 5,58 Millionen im April 2011 und 5,69 Millionen im März. Dies ist ein Rückgang im Schneckentempo, angesichts eines Wirtschaftswachstums auf Jahresbasis um mehr als 3 % im zweiten Jahr des Aufschwunges.
Die Zahl der sogenannten Hartz-IV-Empfänger ist noch weniger zurückgegangen (auch nicht, wenn man die nicht Erwerbsfähigen, die Sozialgeld erhalten, einrechnet – letztere liegt unverändert bei 1,75 Millionen im Mai nach 1,76 Millionen im April und im März).
Diese Zahlen sind es, die nach wie vor besorgt machen müssen. Sie weisen darauf hin, dass offenbar die Quote der Langzeitarbeitslosen kaum sinkt. Und darauf, dass viele neue Arbeitsplätze wieder einmal dort entstehen, wo Menschen viel leisten müssen für sehr wenig Geld. Sonst wären sie nicht weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Sonst könnte es nicht sein, dass die Zahl der erwerbsfähigen Empfänger von staatlichen Unterstützungsleistungen in absoluten Zahlen weitaus weniger sinkt als die Kernarbeitslosigkeit.
Kernerkenntnis der Betrachtung ist, dass der Aufschwung vor allem finanziell an sehr vielen Menschen vorbeigeht, sonst würde nicht die Zahl der Unterstützungsbedürftigen in der erwerbsfähigen Bevölkerung weiterhin so enorm hoch bleiben.
Sie liegt um mehr als 2,5 Millionen Personen höher als die Zahl der Arbeitslosen gemäß der Kernarbeitslosenzahl (5,5 Millionen gegenüber 2,96 Millionen).
Die Einkommens- und Wohlstandsschere öffnet sich augenscheinlich weiter.
dWB/Ap/11-06-26

Juli 16th, 2011 → 10:45
[...] Bericht Mai 2011. Bericht April 2011. Bericht März 2011. [...]
August 26th, 2011 → 13:10
[...] Bericht Mai 2011. [...]