Die Rezension gibt es jetzt hier!
Titelfoto: Stefan Gubser, Sofia Milos © SF.
Heute machen wir mal etwas weit Vorausschauendes. Wir weisen auf den ersten neuen Tatort nach der Sommerpause hin – obwohl dieser erst in beinahe zwei Monaten gezeigt werden wird.
Passend zur 50. Tatortrezension liefern wir die ausführlichste und kontroverseste Vorschau, die wir bisher zu schreiben hatten.
Wird der neue Schweizer Tatort denn ausgestrahlt, nun endlich? Es sieht ganz danach aus, als ob das Schweizer Fernsehen ihn jetzt doch freigegeben hat. Das war offensichtlich ein hoch umstrittenes Projekt. Ursprünglich sollte der Film schon im April 2011 gesendet werden (Quelle: SF). Doch da kam einiges dazwischen. Der Sender hat den Tatort offenbar zurückgezogen (Näheres: Sueddeutsche.de), heiße Spekulationen zum Grund des Rückzugs gibt es unter anderem in dieser Schweizer Quelle nachzulesen. Hoffentlich ist die Fassung jetzt nicht geändert worden, denn genau das ist der Punkt, der in den deutschen Tatorten zu deren sonst manchmal reißerischen Elementen noch fehlt. Zwei Tage später war man in der Schweiz schon weiter und wusste, wie’s kommen wird (20 Minuten Online vom 18. Februar 2011).
War es das schwache Drehbuch made in Germany, das bisher die Aufführung verhindert hat? So in etwa spekuliert der Tagesanzeiger in diesem Artikel. Aber die meisten Kommentare dazu sind so kritisch, dass man sich fühlt wie zuhause, wo man auch sich selbst gegenüber gerne ins Gericht geht. Das heißt, nicht sich selbst gegenüber in persona, aber in Anbetracht des Großen und Ganzen.
Der Regisseur, der noch 2010 den hoch angesehenen deutschen Adolf-Grimme-Preis erhalten hat, war wiederum nicht gut auf seine attraktive Hauptdarstellerin zu sprechen (Interview bei 20 Minuten Online).
Vielleicht hatte aber auch Scientology etwas damit zu tun? Wir haben hier ein Weblog als Quelle gewählt, aber auch in den großen Medien wurde darauf angespielt. Man weiß es nicht genau, aber interessant ist es schon.
Das bekommen wir so hoch im Nordosten natürlich nicht mit – erst, wenn man gezielt recherchiert, erfährt man, dass dieser Film ein Kracher wird. Egal, ob gut oder schlecht. Da stecken schon jetzt so viel Politik und Medienrummel drin, dass man sich das Ergebnis unbedingt anschauen sollte.
Was wir so nett, geradezu rührend finden, sind die Anmerkungen im o. g. Artikel des schweizerischen Tages-Anzeigers zu den Kontrollinstanzen. Da bemerkt man Gemeinsames in der Mentalität. Alles, was kontrolliert wird, tickt anschließend wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk nimmermüd, absolut präzise, aber auch bissl langweilig vor sich hin. Manchmal kann man froh sein, dass wir uns von dieser Mentalität, die ja auch urdeutsch ist, etwas lösen. Dann gibt es mal Abzüge in der B-Note, wie wir bei den Tatort-Wertungen gerne welche machen, dann weisen wir pflichtschuldig auf Plotschwächen hin, wir sind halt auch Kinder unserer Landesmentalität. Dafür war aber etwas Pfeffer drin, in diesen 85 bis 89 Minuten. Das ist dann ein suboptimaler und doch beinahe ein idealer Fall.
Wenn die Kontrollinstanzen immer in der Lage wären, alle Fehler zu finden und die absolute Qualität zu sichern, wären große deutsche Sender mit vielen Kontrollinstanzen, Sender mit wirklich viel Tatorterfahrung, Garanten für ständige Spitzenqualität. Abgesehen davon, dass Vieles im Auge des Betrachters liegt – selbst objektive Drehbuch-Goofs werden leider auf dem Weg durch die Instanzen nicht gesehen. Selbst Hollywoodfilme, die in etwa das Professionellste darstellen, was es auf dem Weltmarkt gibt, sind oft nicht frei davon. Und die dort ebenso wie bei deutschen Sendern üblichen Previews sorgen nicht dafür, dass die Fehler ganz verschwinden. Man sollte also die Trauben und die Luzerner Kuhglocken nicht zu hoch hängen.
Man kann verstehen, dass die Schweizer Lampenfieber haben, wenn sie nach neun Jahren Pause wieder einen Tatort präsentieren. Da soll es schon ein Guter sein. Inzwischen sind in Deutschland einige Spitzenproduktionen entstanden, die geradezu Kinoformat haben, aber im Ganzen ist alles noch im Rahmen dessen, was auch ein kleineres Land leisten kann. Vor allem dann, wenn es seine Stärken einbringt und seine Mentalität. Auch am Bodensee geht es beschaulicher zu als in Berlin. Wir haben gerade einige der „Konschtanz“-Tatorte rezensiert – Ruhe ist an und für sich nichts Schlechtes. Stichwort Bodensee: Der Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) war auch in Konstanz-Krimis schon als Schweizer Korrespondenzermittler von Klara Blum zu sehen und ist nun nach Luzern versetzt worden.
Wir freuen uns schon auf den 14. August und natürlich werden wir unsere Eindrücke von diesem Schweizer Großprojekt niederschreiben!
dWB/AP/11-06-24
April 30th, 2012 → 09:47
[...] Pfingstmontag, am unüblichen Tag, aber zur üblichen Sendezeit: Klappe für den zweiten Tatort der “neuen schweizer Generation”, nachdem die Alpennachbarn geschlage zehn Jahre ausgesetzt hatten. Der erste der neuen Serie (“Wunschdenken”), ausgestrahlt im August 2011 und als 75. Tatort-Rezension in die Annalen des Wahlberliners eingegangen, hatte schon im Vorfeld für Kontroversen verschiedenster Art gesorgt (Vorschau). [...]