GrünBerlin in Zahlen und Bildern

Geschrieben am 9. Mai 2011

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Wir mussten etwas tun. Mehrfach wurde von Google-Suchern bereits zum Berlin-Grün nachgefragt – bisher sind sie dann lediglich auf diesen eher symbolisch gemeinten Artikel im Wahlberliner gestoßen.

In einigen unserer Artikel, vor allem aus der Serie “Berlin, du olle Wundertüte” haben wir schon viele Fotos aus dem grünen Berlin gezeigt, aber nun geht es um die Fakten. (Und natürlich: Um die Fakten, Fakten, Fakten).

Alle wesentlichen Zahlen zum Grün in Berlin haben wir für Sie zusammengetragen Selbstverständlich gibt es auch einige Fotos dazu.

Um sie in voller Schärfe und Auflösung zu sehen, bitte die Fotos anklicken.

Berlin, Hofgrün


Berlin, Hausgrün


Berlin, Straßengrün


Berlin, Spielplatzgrün


Berlin, Parkgrün


Berlin, Botanischer Garten, Teehaus-Grün


Berlin, Wannsee, Wassergrün


Berlin, Plänterwaldgrün mit Bärlauch


Berlin gehört überraschenderweise nicht zu den zehn deutschen Großstädten mit dem höchsten Grünanteil im Sinn öffentlicher Grün- und Erholungsflächen.

Das hat uns verblüfft, weil wir Berlin als wesentlich grüner empfinden als viele andere Städte. Was den Eindruck betrifft, wenn man durch die Stadt geht oder fährt. Aber wir wären schlechte Wahlberliner, wenn unser Gedanken über diese Eindrücke nicht zu einem Ergebnis geführt, hätten, nach mehreren Jahren in unserer Stadt.

1. Die Straßenbäume

Vergleichen Sie mal auf Google Earth. Hat eine andere Stadt, wo auch immer, so viele Straßenbäume? Es sind 430.000, acht Einwohner teilen sich also in etwa einen Straßenbaum. Da es auch Gegenden ohne besäumte Straßen gibt, können wir sagen: In unserem Kiez hat beinahe jeder Einwohner seinen eigenen Baum, und das mitten in der Stadt.
 
Baumpatenschaften wären da eigentlich naheliegend, um diese wunderschönen Bäume auch zu erhalten. Denn was wir hier sehen, grenzt an ein Wunder. Die enorme Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, die Hungerwinter danach, in denen beinahe alles Holz zum Heizen gebraucht wurde, das ließ nicht erahnen, dass Berlin noch einmal so grün werden könnte.
 
Einige Straßenbäume, die deutlich älter sind als 60 Jahre, haben’s offenbar überlebt. Aber es sind auch viele dazugekommen. Jedenfalls tragen sie wesentlich dazu bei, dass man das Gefühl hat, hier ist es grün – und auch kuschelig. Denn natürlich nehmen die Straßenbäume auch Einblickmöglichkeiten.
 
Dass Wohnen in den unteren Etagen dafür zuweilen dunkelgrün ist, kann man nicht bestreiten. Wenn es um die Tageslichtqualität geht, muss in den klassischen Straßenzügen mit Altbauten oder einem Mix aus Altem und Neuem in Kauf genommen werden.
 
Unter den Straßenbäumen sticht die hohe Zahl von Linden hervor (153.000). Wer öfter unter blühenden Linden parkt, weiß, diese Bäume sind Schweine. Wunderschön trotzdem. Wir ziehen Kastanien vor, eine haben wir direkt vor unseren Fenstern.
 
Es ist aber keine von den eher exklusiven 21.000, die zu den Straßenbäumen rechnet, denn sie steht auf der Hofseite. Und damit ein weiteres Phänomen. Berlins berühmte, früher auch berüchtigte Höfe, sind mittlerweile oft grüne Oasen, in guten Häusern sogar als kleine Parks, zuweilen sogar mit Spielgelegenheiten für Kinder ausgeführt.
 
Und es funktioniert, obwohl auf die Grundflächen der Höfe in der Regel nicht übermäßig viel Sonne fällt. Man kommt von der Straße, unter einem Baum durch, hat vielleicht sogar einen Vorgarten zu passieren, durchquert das Portal des Vorderhauses, das Vorderhaus, steht wieder im Grünen.
 
Das ist nur möglich, weil die so genannten X.-ten Hinterhöfe kein typisches Modell heutiger Tage mehr sind. Und natürlich haben auch modern angelegte Straßenzüge, wie sie vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, und die Häuserzeilen, die dort mit viel Sinn für helles Wohnen errichtet wurden, ihr eigenes Grün.
 
Es gibt ein weiteres Grün, das hier für sehr viel Atmosphäre sorgt, das nicht öffentlich ist und doch sehr gut sichtbar, wenn man durch die Straßen geht. Es ist nicht so häufig, zugegeben. Aber wir zeigen auch davon ein Bild, weil ein, zwei Häuser, die so aussehen, die ganze Straße verändern: Grün, das sich an Fassaden emporrankt, das klettert, wächst und immer weitere Zonen einer solchen Fassade erobert.
 
Wir wissen, dass dieses Grün nicht unproblematisch für die Häuser ist, die es beinahe zu verschlingen scheint – aber trotzdem ein Fest fürs Auge.

2. Die unterschiedlichen grünen Zonen

Berlin hat abseits der begrünten Straßen und der privaten Gärten 3.279 Grün- und Erholungsanlagen auf 6.389 Hektar Fläche, das sind ca. 7,7 % der Fläche der Stadt und des Landes Berlin. Klingt nicht so viel, wenn man es mit anderen Städten vergleicht. 13 % der Landesfläche sind jedoch als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen, 20 % angezielt (dazu gehört u. a. der Plänterwald, in den wir am Karfreitag eingedrungen waren, Bilder folgen in der Serie “Berlin, du olle Wundertüte” Nr. 6, Teil 2 und Teil 3).

Enger gefasst sind die Kriterien der 39 Naturschutzgebiete in Berlin, die 2,2 % der Landesfläche ausmachen. Dazu kommen ca. 600 Naturdenkmale – in der Regel besonders schön gewachsene Exemplare seltener Baumarten.

Die gesamten öffentlichen Grünflächen haben einen Umfang von 12.796 ha und machen damit 14,4 % des Stadtgebietes aus. Dazu zählen neben den eigentlichen Grünanlagen auch die Kleingärten, die Sportanlagen, die Liegeflächen der Schwimmbäder und das Grün auf Straßenflächen – also zum Beispiel die angenehm mit grünen Mittelstreifen versehenen größeren Straßen, grüne Verkehrsinseln usw., die zwar nicht unbedingt zum Verweilen und Sich-Erholen geeignet sind, aber den grünen Eindruck der Stadt verstärken.

Hinzu kommen 16.287 ha = 18,3 % Waldfläche innerhalb des Stadtgbietes, darunter der berühmte Grunewald im Berliner Westen.

3. Wasser und Landwirtschaft gibt’s auch in Berlin

Jedem, der Berlin durchwandert, wird auffallen, dass es zahllose größere und kleinere Wasserflächen gibt sowie ein ganzes System von Wasserstraßen, insgesamt macht die Wasserfläche 5,952 Hektar und damit 6,7 % der Gesamtfläche der Stadt aus. Sogar Landwirtschaft wird innerhalb von Berlin betrieben, wenn man mag, kann man selbst diese zu Grün-Berlin hinzurechnen und das sind wieder 3.851 ha und 4,3 % der Stadtfläche.

4. Resultat: Fast die Hälfte grün

Rechnet man die oben genannten Flächen zusammen, hat Berlin einen Grünanteil von gewaltigen 43,6 %, nur etwas mehr als die Hälfte des Stadtgebietes, nämlich 56,4 % sind Siedlungs- und Verkehrsfläche.
 
Wer Berlin nur im engeren Sinn der Park- und (Nah-) Erholungsanlagen als Grün ansieht, geht an der Wirklichkeit vorbei, dass Berlin insgesamt eine der grünsten großen Städte weltweit sein dürfte – nicht nur in Deutschland. Und dieser Eindruck, in einer grünen Stadt zu leben, macht viel aus. Er hebt das Lebensgefühl, denn trotz knapper Kassen schafft es die Stadt, die großen Parks auch so zu erhalten und zu bewirtschaften, dass sie sehr viel fürs Auge bieten.
 
So viel, wie es nur größere, zusammenhängende Flächen, wie der Tiergarten oder der Treptower Park können. Und wir bleiben gleich bei Treptow-Köpenick. Wenn man das Verhältnis von Siedlungs- und Grünfläche zum Maßstab nimmt und die umfangreichen Waldflächen einbezieht, ist er der grünste aller grünen Bezirke in Berlin (63,06 % Anteil Grünflächen an der Fläche des Bezirkes).
 
Umgekehrt derjenige, in dem wir leben. Obwohl  wir selbst hier das Gefühl haben, sehr viel grüner zu wohnen als in anderen Großstädten. Und das liegt eben daran, dass man nicht nur den Anteil der Grünanlagen im engeren Sinn in Betracht ziehen darf, wenn man den grünen Eindruck einer Stadt bewerten will.
 
Legt man nur die öffentlichen Grünflächen zugrunde, zeigt sich ein etwas anderes Bild. Nämlich ein innerhalb Berlins sehr ausgewogenes. Beinahe jeder Kiez hat seinen Park und das trägt zum entspannten Leben in unser Wahlstadt bei. Denn gleich, wo wir wohnen, wir können immer zu Fuß aufs nächste Grün, um dort zu lesen, zu laufen oder ein kleines Sonnenbad zu nehmen.
 
Die genauen Daten stammen von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

dWB/AP/11-04-27

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Veröffentlicht unter: 3. Berliner Leben