Gesehen: RBB, 17.04.2011
INHALT:
Die New York & Western Railroad (N. Y. & W. R. R.) will eine Strecke in den Westen bauen, und der Großvater von Eve Wilson besitzt ein Stück Land im Bereich der neuen Strecke. Der Verlobte von Eve, Terry Turner, reist nach New York und überzeugt die Eisenbahn, über dieses Land zu bauen. Somit kommt der alte Herr zu einer Menge Geld und der alte Streit zwischen den Familien Wilson und Turner kann beigelegt werden.
Zur gleichen Zeit wollen Joseph und Rusty Panello ebenfalls in den Westen. Aber das Geld reicht nicht. So hauen sie S. Quentin Quale, der ebenfalls ein Ticket erwerben möchte, übers Ohr. Gemeinsam erreichen die beiden den Westen und lernen dort den Großvater von Eve kennen. Als sie ihm Geld leihen, überlässt er ihnen die Besitzurkunde für das Land. Wenig später hinterlegen sie die Urkunde als Pfand für ein Glas Bier in Red Baxters Saloon. Dieser ist auch hinter dem Land her, da er das Land für die Alternativroute besitzt. Und wenn er beide Grundstücke hätte, könnte er der Eisenbahn den Preis diktieren. Aber er weiß nicht, dass er im Besitze beider Urkunden ist. Ein wenig später können Joseph und Rusty die Urkunde wieder in ihren Besitz bringen.
In einer Postkutsche treffen sie Quale wieder. Als Joseph und Rusty die Urkunde an John Beecher, einen Freund von Red Baxter, verkaufen wollen, bietet er mit und ist unversehens Eigentümer des Landes. Als er die Urkunde an Baxter weiterverkaufen will, nimmt dieser sie ihm ab und jagt ihn zusammen mit Joseph und Rusty aus dem Saloon. So beschließen die drei, sich die Urkunde wieder zu holen und brechen bei Baxter ein. Baxters Freundin Lulubelle bekommt dies mit und verrät sie. Baxter und Beecher setzen die drei fest, aber Terry Turner kommt ihnen zu Hilfe und sie sperren Baxter und Beecher ein.
Nachdem Beecher und Baxter freigekommen sind, verhindern sie, dass Turner, Quale, Rusty und Joseph den Zug besteigen können, um nach New York zu fahren. Sie wollen somit verhindern, dass sie das Land verkaufen, und wollen stattdessen das Land auch ohne Urkunde an die Gesellschaft veräußern. Joseph, Rusty und Quale gelingt es, in den Zug zu gelangen, indem sie die beiden Lokführer fesseln und knebeln. Eve und Terry sollen schon mit dem Wagen vorfahren und an der nächsten Station zusteigen. Als Baxter und Beecher während der Fahrt merken, was vor sich geht, befreien sie die Lokführer und versuchen, Joseph, Rusty und Quale aus dem Zug zu werfen.
Schließlich gelingt es aber den Dreien, den Zug zum Stehen zu bringen, sodass Eve und Terry zusteigen können. Baxter und Beecher schnappen sich allerdings den Wagen und fahren mit ihm ein Stück vor. Dort sabotieren sie die Gleise, sodass der Zug von der Strecke abkommt und seine Kreise auf einer Farm dreht. Baxter und Beecher wiegen sich in Sicherheit, aber den Dreien gelingt es, den Zug wieder auf die Gleise zu bewegen. Schließlich holen sie Beecher und Baxter ein. Bei einer Kreuzung kommt der Wagen der beiden auf die Gleise und wird vom Zug in den Fluss gestoßen. Somit können Eve und Terry doch noch ihr Ziel erreichen und endlich den Familienstreit beenden, damit sie heiraten können (Zusammenfassung: Wikipedia).
KRITIK:
Okay, wir geben es zu, wir sind nach „Night at the Opera“ wach geblieben und haben noch einen Film der Gebrüder Marx drangehängt. Dieses Mal ist es für uns keine Premiere gewesen, der Film ist auch als Aufzeichnung im Archiv. Aber den direkten Vergleich mit dem fünf Jahre älteren „Night at the Opera“ fanden wir interessant.
Einiges über die Marx Brothers im Allgemeinen und über Groucho Marx im Besonderen haben wir bereits in der Rezension zum obigen Film geschrieben, deswegen zu diesem Thema hier nur der Verweis auf den Artikel von heute Morgen.
1. Go West als Parodie
Auch jemand, der Marx heißt, springt mal auf einen fahrenden Zug auf. Im Jahr 1939 feierten mehrere Western große Erfolge, und sie alle wurden in „Go West“ aufs Korn genommen. Warum nicht, schließlich ist „Go west, young man“ einer der berühmtesten Sprüche der amerikanischen Geschichte und ein sehr knappes, denn umfassendes Programm, aus dem viele amerikanische Staaten entstanden – und das amerikanischste aller Filmgenres.
So beginnt der Film “Go West” mit diesem Satz: Im Jahr 1851 sagte Horace Greely: go west, young man, and grow up with the country. Hier sehen Sie nun die Geschichte von drei jungen Männern, die seinem Ruf gefolgt sind und deren Geschichte ihn hätte veranlassen können, diesen zu bedauern (sinngemäß wiedergegeben). Witzigerweise hatte der Verleger Horace Greely in den 1850ern Karl Marx als seinen europäischen Korrespondenten beschäftigt. Ob die Marx Brothers das wussten, als sie das Greely-Zitat zur Einleitung ihres Films verwendeten?
Jedenfalls haben sie ohne Zögern das Beste parodiert, was damals an Westernfilmen zu haben war.
„Stagecoach“, der John Wayne zum Star gemacht hat. Die Kutschenfahrt, die in Go West zu sehen ist – und das Personal in der Kutsche, herrliche Karikaturen der Versuchsanordnung in „Stagecoach“.
„Destry Rides Again“ mit James Stewart und Marlene Dietrich – die Barsängerin Lulubelle (June MacCloy) ist eine, wenn auch sanfte, Parodie auf die Dietrich.
„Union Pacific“. Dieser Streifen über den berühmten Bau der Eisenbahn bis zur Westküste der USA bildet sogar das Gerüst der Story. Der Kampf um das Land, über das die Eisenbahn letztlich fährt, ist eine Abwandlung, die Schlussszene beinahe eine 1:1-Kopie des Endes von „Union Pacific.“
Die Szene, in welcher der Zug zerlegt wird, um genug Brennholz für die Weiterfahrt zu haben, sollte uns auch an etwas erinnern. Aber wir haben sie nur in einem späteren Film wiedergefunden. „In 80 Tagen um die Welt“ (1956) zeigt genau ein solches Szenario. Allerdings könnte es durchaus sein, dass die Szene keinem früheren Film, sondern dem zugrunde liegenden Buch von Jules Verne entnommen wurde, das es 1940 natürlich schon gab.
Gewisse Ähnlichkeiten soll es zu dem Film „Zwei ritten nach Texas“ des Konkurrenz-Komikerteams Laurel und Hardy geben (filmfreunde.net) und bereits 1925 hat Buster Keaton in einem Film gleichen Namens (in Deutschland: Der Cowboy) gemacht. Er soll an der Entwicklung des Plots der Marx-Version beteiligt gewesen sein.
2. Gags, mehr Fluss und Routine
Alle diese Szenen und / oder Figuren, die anderen Western entlehnt wurden, sind Paradestücke des Films, unglaublich witzig jede einzelne von ihnen. Wie auch viele andere der Einzelgags und Sketche. Die gibt es auch hier wieder, diese komplett als Sketch im Film aufgebauten Sequenzen. Nicht mehr so dominant wie in den früheren Filmen, man hat sich erkennbar Mühe gegeben, die Handlung flüssiger werden zu lassen und die Pointen besser zu integrieren. Deutlich stärker wurde auch die Liebesgeschichte, die alle Marx-MGM-Filme als Grund der Aktionen der drei witzigen Brüder aufweisen, ins Feuerwerk der Marxschen Komik eingebunden und hervorgehoben.
Der Film ist angenehm zu schauen, aber konventioneller als noch „A Night at the Opera“. Die Schärfe, dieses Aus-dem-Schema-Fallen ist nicht mehr so prägnant. Grenzwertige Sprüche und Gags früherer Tage, die man, je nach eigener Disposition, als anarchisch oder geschmacklos bezeichnen kann, hat man weitgehend vermieden.
Der typische Effekt, dass Dinge sich einschleifen hingegen ist erkennbar, auch wenn die Marx Brothers, Vollprofis, die sie sind, nichts an Spielfreude vermissen lassen. Mann lässt ein paar Atemzüge aus, als Harpo im Indianerdorf beginnt, „From the land of the skye-blue water“ zu spielen – auf einem zur Harfe umfunktionierten Webstuhl. Ob so etwas geht, müssen wir nicht klären, Harpo hat selbstverständlich nicht live gezupft, sondern das Ganze im Studio aufgenommen. Ein besonderes Schmankerl ist, dass es zu einem Duett kommt: Der Indianerhäuptling begleitet Harpo auf der Flöte.
Dass der Film sanfter daherkommt, als noch „A Day at the Races“ von 1937, und noch ein Stück weiter von „A Night at the Opera“ entfernt ist, liegt vielleicht auch daran, dass die Marx-Brothers nicht mehr die Freiheiten und nicht den kongenialen Gegenpart hatten. Es war der 1937 viel zu früh verstorbene Produzent Irving Thalberg, der sie von Paramount zu MGM geholt hatte, ganz nach dem Motto: nur die größten Stars in den größten Produktionen. Dass sich hingegen die MGM-Ästhetik hinsichtlich Bildqualität und Production Design mittlerweile durchgesetzt hatte, kann man nicht als nachteilig ansehen.
3. Und weniger Zitate
Weil es in „Go West“ in der Tat weniger verrückte Groucho-Zitate und Dialogstücke gibt als in früheren Filmen, können wir eines von ihnen hier wiedergeben (zitiert nach der IMdB, in der allerdings Panello als Dialogpartner von Quayle genannt wird, wir haben das hier geändert.)
S. Quentin Quale: I ask you, who swindled you out of Manhattan Island for $24?
Indian chief: White man.
S. Quentin Quale: Who turned you into wood and stood you in front of a cigar store?
Indian chief: White man.
S. Quentin Quale: Who put your head on a nickel and then took the nickel away?
Indian chief: Slot machine.
Dass die Marx Brothers nicht ganz aus dem kritischen Milieu gefallen sind, belegt dieses Zitat, es ist aber auch das einzige, das in diese Richtung tendiert – was nicht heißt, dass die anderen schlecht sind. Darüber hinaus ist es in sich gebrochen. Die letzte Bemerkung ist am gerne genommenen Klischee vom Indianer, der seinen letzten Cent verspielt oder versäuft, orientiert. In der deutschen Fassung ist zudem der erste Satz geändert – sehr schwach, wenn man bedenkt, dass sie fürs Fernsehen gemacht wurde, und das erst 1967 (im Gegensatz zum berühmteren „A Night at the Opera“ lief der Film nicht Anfang der 50er in deutschen Kinos).
4. Fazit
Ja, die Filme der Marx-Brothes wurden im Verlauf ihrer Karriere glatter, aber auch charmanter. Wer das Furioso der ersten Filme liebt, der wird „Go West“ so bewerten, wie es viele Filmfans tun. Deutlich niedriger als die frühen Produktionen. Wer eine überaus gelungene Komödie genießen will, in der sich visuelle und wortreiche Gags die Klinke in die Hand geben, ohne dass die Handlung auf ein Minimum schrumpft, der findet hier einen kleinen Klassiker. Wir bewerten ihn nur wenig niedriger als „A Night at the Opera.“
Wir geben 7,5 /10.
DWB/AP/11-04-17
August 2nd, 2011 → 18:59
[...] wieder einmal beträchtlich, ohne dass der Film besser wesentlich besser wäre als „Go West“ (1940) und er kommt nicht ganz an die Filme der frühen Ära für Paramount oder der [...]
August 2nd, 2011 → 19:03
[...] wieder einmal beträchtlich, ohne dass der Film besser wesentlich besser wäre als „Go West“ (1940) und er kommt nicht ganz an die Filme der frühen Ära für Paramount oder der [...]
November 16th, 2012 → 21:41
[...] der Tiefpunkt im Filmschaffen der Marxens war. Wir empfanden “At the Circus” (1939) und “Go West” (1940) noch um einiges besser, auch wenn sie sich nicht mit “A Night At the Opera” [...]
Dezember 11th, 2012 → 12:17
[...] Band 2 – a.a.O. (6) Die Marx Brothers beim Wahlberliner: “A Night at the Opea”, “Go West”, “At the Circus”, “The Big Store”. (7) IMDb: Bringing up Baby, discussion [...]
Februar 12th, 2013 → 16:43
[...] haben das in den Rezensionen von „A Night at the Opera“ (1935), „At the Circus“ (1939) „Go West“ (1940) und “The Big Store” (1941) dokumentiert. Ähnlich war es um Laurel & Hardy [...]
Februar 13th, 2013 → 18:52
[...] in den Rezensionen von „A Night at the Opera“ (1935), „At the Circus“ (1939) „Go West“ (1940) und “The Big Store” (1941) dokumentiert. Ähnlich war es um Laurel & Hardy [...]